SPÖ im Wahlkampf: Rudolf Plessl im Gespräch. Rudolf Plessl will mit Bundeskanzler Kern für Österreich tätig sein, legt seinen Fokus aber darauf, die Region zu stärken.

Von Sandra Frank. Erstellt am 17. September 2017 (02:34)
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SPÖ-Abgeordneter Rudolf Plessl will wieder ins Parlament einziehen und sein Wissen vor allem in der Sicherheitsfrage einbringen.
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Sein Name steht in der ersten Spalte des Stimmzettels für die Nationalratswahl im Regionalwahlkreis 3G Niederösterreich Ost ganz oben: Der Gänserndorfer Rudolf Plessl führt die rote Liste an. Mit der NÖN sprach der 50-Jährige über seine politische Motivation, was er am Bürgermeister-Dasein am meisten vermisst und mit wem er gerne koalieren würde.

NÖN: Warum stellen Sie sich erneut der Wahl? Was ist Ihre Motivation?

Rudolf Plessl: Die Herausforderung, mit Bundeskanzler Christian Kern für Österreich tätig zu sein. Das Thema Sicherheit ist dabei ein wichtiges. Dazu möchte und kann ich meine Erfahrungen stark einbringen, da ich jahrelang Mitarbeiter im Innenministerium war. Ich bin politisch aktiv, weil ich gerne für andere arbeiten möchte. Es ist mir wichtig, unsere Region voranzutreiben, denn nur dann kann es den Menschen bei uns auch gut gehen.

Was ist das Beste daran, Abgeordneter zu sein?

Plessl: Es gibt viele Bereiche, in die du einen umfassenden Einblick bekommst. Aber natürlich hat jeder seine Schwerpunkte. Meine sind zum einen Sicherheit, zum anderen Umwelt und Tourismus. Mit meinem Wissen kann ich die Region verstärkt voranbringen. Das Gespräch mit den Menschen, aber auch die Rückkoppelung – was beschließen wir im Parlament, wie kommt das draußen an – ist wichtig.

Sie waren bis 2016 Bürgermeister von Untersiebenbrunn. Gibt es etwas, das Sie daran vermissen?

Plessl: Als Bürgermeister hast du die Chance, relativ schnell und unmittelbar Dinge zu erledigen. Als Abgeordneter geht das nicht so schnell. Es ist schon ein bisschen Wehmut dabei, wenn ich zurückdenke, es war eine schöne Zeit. Ich konnte zum Beispiel leistbares Wohnen umsetzen, das lag mir sehr am Herzen. Gerade in diesem Bereich ist die Politik gefragt, um junge Menschen zu unterstützen.

Was wollen Sie als Nationalratsabgeordneter speziell für Ihre Heimatregion umsetzen? Wo gibt es Aufholbedarf?

Plessl: Auf jeden Fall im Bereich der Infrastruktur. Wenn die nicht ausgebaut wird, gibt es keine Entwicklung. Damit meine ich die Bahnverbindung und den Ausbau der Marchfelder Schnellstraße S8. Auch beim Tourismus müssen wir einiges tun. Die Zahlen sind hier in den vergangenen fünf bis zehn Jahren kaum gestiegen, die Palette an Angeboten aber schon. Wir müssen Akzente setzen, zum Beispiel mit „Wein & Genuss“. Es ist wichtig, die Region zu stärken, indem man zum Beispiel vor Ort einkauft. Es gibt viele Innovationen, so etwa die Wassermelonen aus Untersiebenbrunn.

Was die Menschen oft vermissen, sind klare Aussagen der Politiker zu brisanten Themen. Warum ist das so schwierig?

Plessl: Leider sind viele Herausforderungen in der Vergangenheit nicht angesprochen worden, darum sind manche Parteien auch so stark geworden. Ein Beispiel etwa ist hier die Flüchtlingsfrage. In einer großen Partei wie der unseren gab es verschiedene Meinungen. Aber die Menschen erwarten, dass der Bundeskanzler solche Herausforderungen anspricht. Darum hat es schließlich einen Wechsel gegeben.

Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt mit den Wählern?

Plessl: Ich bin sehr viel unterwegs. Es reicht nicht, wenn du von einem Plakat runterlachst, du musst bei den Menschen sein und mit ihnen sprechen. Es ist eine Richtungsentscheidung am 15. Oktober. Wir wollen nicht Politik für fünf Prozent der Menschen machen, die 95 Prozent des Vermögens besitzen.

Wird nach der Wahl am 15. Oktober eine Koalition notwendig sein?

Plessl: Ich glaube nicht, dass der Wähler gewillt ist, einer Partei über 50 Prozent zu geben.

Sie sind seit 2008 im Nationalrat. Wenn Sie persönlich entscheiden könnten, mit wem würden Sie am ehesten regieren wollen?

Plessl: Es ist wichtig, eine Partei zu finden, die die wichtigen Punkte in unserem Programm auch umsetzen möchte. Man kann nicht auf der einen Seite von fairen Steuern sprechen, auf der anderen Seite aber keine Erbschaftssteuer wollen. Das ist nur ein kleiner Anteil, damit‘s der Allgemeinheit gut geht. Ich hab‘ die Erfahrung gemacht: Mit der ÖVP ist es nicht leicht. Warum ist man so lange in der Regierung und redet sie dann schlecht? Letztlich entscheidet die Nummer eins, wer mitregieren wird.

Was passiert, wenn die SPÖ nicht Erster wird?

Plessl: Dann gehen wir in die Opposition.

Die Option, gemeinsam mit den Freiheitlichen zu regieren, ist innerhalb der SPÖ sehr umstritten. Wie stehen Sie zu dieser Möglichkeit?

Plessl: Man muss mit allen Parteien sprechen, die demokratisch gewählt wurden. Zu bedenken ist aber, dass wir 2018 den EU-Vorsitz haben. Da gibt die Regierung das Programm für. Das Projekt Europa kann nur weiter bestehen, wenn junge Menschen eine Zukunft sehen. Darum müssen wir mehr in Arbeit investieren.

Der Wähler kann am 15. Oktober zwischen zehn Parteien entscheiden. Warum sollte er bei Ihnen sein Kreuzerl machen?

Plessl: Weil wir für Kontinuität stehen. Wir wollen für Arbeitnehmer Arbeit zur Verfügung stellen, mit der sie das Leben bestreiten können. Wir wollen nicht jene unterstützen, die ohnehin schon genug Geld haben, sondern den unteren Bereich. Wir treten dafür ein, dass Männer und Frauen die gleichen Chancen haben.