Tag der Archive: Hüter historischer Schätze . Die NÖN stattete Dokumentensammlungen in Bad Pirawarth, Spannberg und Hohenruppersdorf einen Besuch ab: Dort schlummern höchst interessante Unterlagen.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 10. Juni 2017 (04:52)
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Gerald Krautsieder und Reinhard Neusiedler halten einige Prunkstücke des Depots Bad Pirawarth in Händen – und stehen auch vor einem solchen. Der in etwa 350 Jahre alte Archivkasten stammt aus dem Schloss Seissenegg und wurde von den Mitarbeitern liebevoll restauriert.
Mauritsch

Das Landesarchiv Niederösterreich, Außenstelle Bad Pirawarth, ist ein nüchterner, unscheinbarer Bau und birgt doch unbezahlbare Schätze – das historische Gedächtnis unseres Landes. In unzähligen Dokumenten ist ein Teil der Geschichte Niederösterreichs gespeichert, nicht die von Herrschern und Königen, sondern vor allem die des „kleinen Mannes“.

Ein Gutteil des Archivbestandes rekrutiert sich aus den Grundbüchern samt dazugehörigen Dokumenten wie Kaufverträgen oder auch Inventurprotokollen sowie den Grundherrschaftsbüchern. Wobei „Buch“ für die meisten dieser Werke ein zu niedlicher Begriff ist – wahre Schwergewichte, die halbe Fläche eines Schreibtisches einnehmend und mit eisernen Schließen versehen. Das älteste Exemplar, das Grundherrschaftsbuch der Augustiner Chorherren aus Mödling, datiert aus dem Jahre 1399. Weiters lagern hier auch die Bestände der Bezirksgerichte in Bad Pirawarth, zumindest soweit vorhanden – viel ging in den Wirren der Vergangenheit verloren.

"Wir gehen den Forschern gerne zur Hand"

Kenntnisse in Latein und vor allen das Lesen der Kurrentschrift sind von Vorteil, wenn man als Ahnen- oder Heimatforscher in den Archiven stöbert. Leiterin Christina Mochty-Weltin: „Wir gehen den Forschern gerne zur Hand, die ganze Recherche können wir aber nicht übernehmen.“ Über die Website des Landes Niederösterreich hat man Zugriff auf die Indizes oder – soweit schon vorhanden – auf die Bestände direkt.

Unzählige kleine Archive im Bezirk, meist ehrenamtlich betrieben durch engagierte Forscher, haben ebenso einen wesentlich Anteil daran, Historisches zu bewahren. Archivleiter Anton Hofer und sein Team trugen in Matzen einen wahren Fundus an Bild- und Dokumentenmaterial zusammen, für den emeritierten Geschichtslehrer eine Leidenschaft: „Unsere Publikationen sind schon über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt, immer wieder kommen Studenten, um für ihre Arbeit zu forschen.“

„Würde mich sehr über Interessierte freuen“

Leider schon seit einiger Zeit personell verwaist ist das Archiv in Hohenruppersdorf, wiewohl im Gemeindehaus untergebracht und modern ausgestattet. VP-Bürgermeister Hermann Gindl: „Ich würde mich sehr freuen, wenn sich engagierte Bürger dafür melden.“

Erst seit dem Jahr 2014 ist die Geschichtsgruppe Spannberg aktiv. Unter dem Motto „Wichtig Was“ sammelt Sigrid Pribitzer-Wohlmuth mit acht weiteren Personen Bilder, Dokumente und Briefe für den historischen Nachlass der Gemeinde. „Wir haben leider noch keine zentralen Räumlichkeiten zur Verfügung, die Bestände lagern zu Hause bei den Mitgliedern der Gruppe“, hofft Pribitzer-Wohlmuth auch auf Unterstützung seitens der Gemeinde. Erste Publikationen über den Neusiedler Wald und die Ziegelöfen sind jedenfalls bereits erschienen.