Überfüllte Tierheime: „Böses Erwachen vorprogrammiert“

Im Bezirk Gänserndorf sind die Tiereinrichtungen seit Covid völlig überlastet, weil die Vierbeiner als Zeitvertreib gesehen werden.

Susanne Jaritz Erstellt am 22. September 2021 | 06:00
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Das Katzenhaus von der Tierschutzinitiative in Schönkirchen-Reyersdorf ist „ausgebucht“.
Foto: privat

Die Pandemie hat viele Branchen in eine Krise gestürzt. Betroffen sind auch die Tierheime, die sich seit Ende des letzten Lockdowns wieder füllen. Tiere wurden unüberlegt angeschafft und werden nun wieder weggegeben – sehr zum Leid der Vierbeiner.

Der in Strasshof ansässige Weimaranerhof „Graue in Not“ konzentriert sich seit 2003 auf die Vermittlung der eleganten Hunderasse. Gründerin Karina Kalks kennt die Situation. Da man im ersten Lockdown unter anderem nur zum Gassi-Gehen auf die Straße durfte, ergab sich dieser Trend: „Sehr viele haben sich im Lockdown einen Hund angeschafft, weil sie womöglich schon immer den Wunsch hatten und so durfte man wenigstens legal außer Haus gehen.“

Tierheime rasant geleert und genauso schnell gefüllt

Dies seien sehr unüberlegte Entscheidungen gewesen: „Das böse Erwachen war vorprogrammiert!“ Bis Anfang Mai durften zudem keine Hundeschulen geöffnet haben. Menschen, die nie zuvor einen Hund hatten, waren ohne fachgerechte Begleitung. Corona habe die Tierheime rasant geleert und genauso schnell füllen sie sich nun wieder. „Viele haben keine Zeit mehr für ihre Hunde, weil die Kinder wieder in die Schule müssen.“

Auch Obfrau Yvonne Höss von der privaten Tierschutzinitiative in Schönkirchen-Reyersdorf bestätigt, dass im Lockdown plötzlich alle ein Tier haben wollten: „Die meisten Leute wissen nicht, worauf sie sich einlassen und können sich nicht vorstellen, dass die Tiere oft aus schrecklichen Haltungen kommen und sehr verstört sein können.“

Viele wollen die Tiere auf Probezeit zu sich nehmen, was absurd sei, da es sich um kein Spielzeug handle. Gründe für das Loswerden eines Tieres ergeben sich etwa aufgrund von Scheidung oder weil man wieder zu arbeiten begonnen hat oder – das neueste Argument in Corona-Zeiten – wegen einer Schwangerschaft, selbst wenn der Hund davor schon acht Jahre im Besitz war. „Das Ganze ist überhaupt nicht menschlich“, betont Höss.

Geldspenden bekommt die Tierschutzinitiative regelmäßig und bei Sachspenden gebe es auch einen „Corona-Trend“: Zahlreiche Mitbürger haben im Lockdown entrümpelt und wollen den Sperrmüll vor dem Tierheim abladen. „Wir wiesen sehr Vieles zurück“, so die Obfrau.

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