Überstunden nicht ausbezahlt: AK zieht vor Gericht. Die AK zog mit vier Beschäftigten, deren verrichtete Arbeit nie verrechnet wurde, vor Gericht. Insgesamt wurden heuer bereits 51 ausstehende Löhne eingefordert.

Erstellt am 04. September 2017 (19:08)
NÖN
Gänserndorfs AK-Bezirksstellenleiter Robert Taibl.

Mancher Arbeitgeber scheint das Arbeitsrecht wohl als unverbindliche Empfehlung zu betrachten: Mehr als 2.300 Überstunden und Forderungen in Höhe von fast 18.000 Euro soll ein Unternehmer an vier seiner Mitarbeiter nicht ausgezahlt haben. Die Arbeiterkammer (AK) zieht nun vor Gericht.

„Beim Durchgehen der Unterlagen zeigte sich: Eine enorme Zahl an Überstunden war angefallen – bezahlt worden waren nur die wenigsten. Und das über Jahre hinweg“, berichtet Gänserndorfs AK-Chef Robert Taibl.

Glück im Unglück für Betroffene

Aber Glück im Unglück für die Betroffenen: Der Unternehmer unterlag keinem Kollektivvertrag, der kürzere Verfallsfristen vorsehen würde. Damit konnten die offenen Überstunden auch für die vergangenen Jahre nachgefordert werden.

Als der Firmenchef davon Wind bekam, hatte er eine weitere findige Idee: Er legte seinen Mitarbeitern eine rückwirkende Gleitzeitvereinbarung vor, um sich vor der Nachzahlung zu drücken – jedoch ohne Erfolg.

Letztlich blieb nur der Weg zu Gericht, damit die Beschäftigten nicht nur zu ihrem Recht, sondern, viel wichtiger, auch zu ihrem Geld kommen.

Dieser Fall ist jedoch keine Ausnahme: Im ersten Halbjahr des heurigen Jahres forderte die Arbeiterkammer bereits für 51 Arbeitnehmer aus dem Bezirk ausstehende Löhne und Gehälter ein.

70 Beschäftigte erfolgreich vertreten

Insgesamt gesehen waren es bereits 70 Beschäftigte aus 17 insolventen Betrieben, die von der AK erfolgreich vertreten wurden und 400.530 Euro an ausstehenden Löhnen und Gehältern bezahlt bekamen.

Doch nicht jeder Fall endet außergerichtlich. „Leider haben es einige Arbeitgeber auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen lassen“, weiß Bezirksstellenleiter Taibl. In 21 Fällen klagte die Arbeiterkammer Gänserndorf zugunsten der Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht.

38.111 Euro gerichtlich eingebracht.

Weitere Zahlen zur Halbjahresbilanz 2017 zeigen, dass es im Bezirk einiges zu tun gab und noch geben wird: 51 Mal wurden Interventionen beim Arbeitgeber ausgeführt und 720 Mal arbeits- und sozialrechtliche Beratungstätigkeiten sowie 21 Mal kostenloser Rechtsschutz in Anspruch genommen.

Insgesamt 58.051 Euro wurden damit außergerichtlich sowie 38.111 Euro gerichtlich eingebracht.