Wenn langsam das Geld ausgeht: Teuerung im Alltag

Erstellt am 17. Mai 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
NÖN-Lokalaugenschein: Wie Bürger im Bezirk Gänserndorf mit steigenden Ausgaben kämpfen.
Werbung

Die Spritpreise sind anhaltend hoch, die Strom- und Lebensmittelkosten steigen stetig, ebenso die Preise für Heizöl, Gas und Baumaterialien. Welche Teuerungen spüren die Konsumenten am meisten im Geldbörserl? Die NÖN hat sich umgehört und umgesehen.

Bei mehreren Tankstellen in Bezirk dasselbe Bild: Diesel kostet mindestens 1,80 Euro, Benzin mindestens 1,70 Euro pro Liter. Lukas Pribyl aus Leopoldsdorf hängt den Schlauch gerade zurück in die Zapfsäule: „126 Euro für einen vollen Tank.“ Das sei nicht mehr lustig. Da müsse der Staat schleunigst etwas unternehmen – nicht erst in einem Jahr bei der Pendlerpauschale, fordert Pribyl: „Wie leben hier am Land, da geht ohne Auto nichts.“

Teuer sind mittlerweile auch Nudeln, Kaffee, Speiseöl und Toilettenpapier. Der Ukraine-Krieg lässt die Preise in den Supermärkten in die Höhe schnellen. Dies spüren besonders Familien mit Kindern – und das nicht zu knapp. Familie Klein aus Obersiebenbrunn kann ein Lied davon singen. Papa Michael ist Arbeiter, Mutter Daniela in Karenz. Vor etwa vier Jahren haben die beiden mit der Renovierung von Michaels Elternhaus begonnen. Sohn Maximilian erblickte im Vorjahr das Licht der Welt.

Bei der jungen Familie wird jetzt vermehrt darauf geachtet, Eigenmarken von Diskontern zu kaufen, weil diese noch am günstigsten sind. „Trotzdem sind die Kosten für den Einkauf von Lebensmitteln bei uns um rund einhundert Euro gestiegen – pro Monat“, seufzt Daniela.

Michael Klein ist froh, dass Arbeitsplatz in der Nähe ist

Michael ist froh, in der Agrana-Zuckerfabrik in Leopoldsdorf zu arbeiten – der Weg dorthin ist recht kurz. Kollegen ermöglichen das Mitfahren. Somit brauchen die Kleins nur ein Auto – und das hat Daniela zur Verfügung: „Bei den Spritpreisen ist das ein großer Vorteil.“

Um Geld zu sparen, werden auch alle Prospekte und Internetseiten mit Sonderangeboten durchstöbert. Windeln für Maximilian kommen im Abo von einem Online-Riesen, weil sie so am billigsten sind. „Wir nagen nicht am Hungertuch, aber wegen der Kreditrückzahlung für die Renovierung, Stromkosten und ständig steigender Preise im Alltag sind halt keine großen Sprünge möglich“, erklärt Michael.

Ausgaben müssen jetzt wohlüberlegt sein

Ausgaben müssen wohlüberlegt sein – ob sie tatsächlich nötig sind oder nicht. Leichter wird es wahrscheinlich, wenn Daniela wieder arbeitet, vermuten die beiden. Dass die Politik nichts unternimmt, um die steigenden Kosten zu bremsen, verstehen die Kleins absolut nicht.

Wer sich gewisse Produkte überhaupt nicht mehr leisten kann, dem bleibt zum Schluss nur noch der Weg zur Team-Österreich-Tafel. Gänserndorfs Rotkreuz-Geschäftsführer Wolfgang Antos berichtet: „Seit Anfang des Jahres haben wir einen Kundenzuwachs von über 35 %. Bei manchen Ausgabestellen hat sich die Zahl der Klienten sogar mehr als verdoppelt.“ So zum Beispiel auch bei den Tafel-Ausgabestellen in Strasshof und Marchegg.

Parallel dazu verzeichnet das Rote Kreuz einen Rückgang an Warenspenden. Antos: „Vor allem länger haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel werden dringend benötigt.“ Sachspenden können jeden Samstag ab 15 Uhr direkt bei der Tafel am Gutshof Strasshof (nahe Hofer-Markt) abgegeben werden. Zudem freut sich das Rote Kreuz über personelle Unterstützung bei den Tafel-Ausgabestellen. Anfragen können direkt an die Rotkreuz-Bezirksstelle Gänserndorf-Marchegg gerichtet werden – Tel. 059144/54000, E-Mail gaenserndorf@n.roteskreuz.at .

Weiterlesen nach der Werbung

Umfrage beendet

  • Alles wird teurer: Müsst auch ihr auf etwas verzichten?