Wie wird man Berufssoldat?. Oberst Hans-Peter Hohlweg und Oberstleutnant Herwig Graf informieren, wie eine Karriere beim Bundesheer aussehen kann.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 28. April 2021 (04:21)
Oberstleutnant Herwig Graf und Oberst Hans-Peter Hohlweg, Kommandant der Garnison Mistelbach vor dem Husar, einem der Hauptwaffensysteme in der Bolfras-Kaserne. 
Mauritsch

Bei Katastrophen oder aktuell der Corona-Pandemie wird – auch im Bezirk – oft auf das Bundesheer zurückgegriffen. Auslandseinsätze wie im Kosovo stehen bei den Soldaten ebenso am Programm. Die NÖN sprach mit Oberst Hans-Peter Hohlweg, Kommandant der Garnison Mistelbach, und Oberstleutnant Herwig Graf, wie eine Karriere als Berufssoldat ausschauen kann und welche Möglichkeiten es gibt.

Stefan Wimmer aus Strasshof hat sich für eine Karriere beim Bundesheer entschieden. „Vor meinem Grundwehrdienst war das kein Thema für mich. Erst während des Aufenthaltes in der Kaserne reifte der Entschluss“, berichtet der angehende Unteroffizier. Er ist einer von 37 Soldaten aus dem Bezirk Gänserndorf, die in der Bolfras-Kaserne Mistelbach stationiert sind. Im September beginnt er seine Ausbildung in der Heeresunteroffiziersakademie in Enns. In 18 Monaten wird Wimmer Fach- und Führungsausbildung durchlaufen und nach erfolgreichem Abschluss den Dienstgrad eines Wachtmeisters erhalten. Und: Die Soldaten erhalten schon während der Ausbildung ein Gehalt.

Bis zum Vizeleutnant kann man mit diesem Bildungsweg beim Bundesheer aufsteigen. Noch weiter die Karriereleiter hinauf geht es mit einem Studium an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Voraussetzung dafür ist Matura oder eine Studienberechtigungsprüfung.

Mit viel Einsatz – und vielleicht auch etwas Glück – kann man es bis zum General bringen. Wobei „man“ als geschlechtsneutral zu sehen ist. Oberst Hans-Peter Hohlweg, Kommandant der Garnison Mistelbach, betont: „Beim Bundesheer sind Männer und Frauen gleichgestellt.“ Da Frauen keinen Grundwehrdienst leisten müssen, erfolgt der Einstieg mittels freiwilligerer Meldungen. Für beide Geschlechter gilt das Höchstalter von 40 Jahren.

Vereinfacht ausgedrückt „Soldaten für einen bestimmten Zeitraum“ sind die Angehörigen der Miliz. Nach Grundwehr- beziehungsweise Ausbildungsdienst geht diese Gruppe einem zivilen Beruf nach, steht aber für Übungen und Einsätze zur Verfügung. „Milizsoldaten kommen häufig bei Auslandseinsätzen, aber auch bei Hilfsdiensten im Katastrophenfall zum Einsatz“, erklärt Oberstleutnant Herwig Graf. Interessant dabei: Ein Milizsoldat kann seinen Dienst auch von sich aus anbieten. „Wenn ein Angehöriger der Miliz zum Beispiel in seinem zivilen Beruf arbeitslos wurde, kann er mit uns Kontakt aufnehmen. Fast immer finden wir eine Möglichkeit der Verwendung“, berichtet Graf.

„Heer ist verlässlicher Sicherheitspartner“

Hohlweg sieht das Bundesheer als verlässlichen Sicherheitspartner im Weinviertel. Dabei ist nicht vorrangig an kriegerische Handlungen zu denken. „Wir unterstützen beim Aufbau von Test- und Impfstraßen sowie im Contact Tracing“, so Hohlweg. Die Anforderung erfolgt über die Bezirkshauptmannschaft und den Landessanitätsstab an das Landesmilitärkommando.

„Wir haben Zugriff auf ein paar hundert Soldaten, die binnen kürzester Zeit eingesetzt werden können und die vor allem für einen längeren Zeitraum zur Verfügung stehen“, berichtet Hohlweg. Noch gut in Erinnerung ist der Einsatz beim Marchhochwasser vor 15 Jahren. Mit Black-Hawk-Hubschraubern wurden Panzersperren und „Big Packs“ abgeworfen, um den lecken Damm wieder zu verschließen.

Jüngstes Beispiel ist der Terroranschlag in Wien letzten November. Teile der Kaserne wurden alarmiert. Die Exekutive könnte im Notfall auf das Jagdkommando zugreifen – glücklicherweise war es nicht notwendig. Nicht nur Umweltschützern bereiten die Atomkraftwerke nahe der Grenze Kopfschmerzen. „Strahlenmesstrupps messen regelmäßig die Strahlenbelastung an der Grenze. Es gibt Evakuierungspläne für das gesamte Weinviertel. Bleibt zu hoffen, dass wir das nie brauchen“, meint Hohlweg mit Sorgenfalten auf der Stirn.

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