Wo finden die Corona-Impfungen nun statt?. Franz Tödling, praktischer Arzt aus Probstdorf, koordiniert die Arztpraxen im Bezirk Gänserndorf für die Corona-Impfung: Mediziner im Porträt.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 04. Februar 2021 (03:25)
Franz Tödling koordiniert seine Kollegen.
Kremsmayer

Jetzt geht die Impfung in die Fläche – auch im Bezirk Gänserndorf: Diese und nächste Woche werden die Ärzte und das medizinische Personal sowie die über 80-Jährigen geimpft, hernach die Risikogruppen. So jedenfalls der Plan. „Doch das ändert sich derzeit wöchentlich“, seufzt Franz Tödling, der Bezirkskoordinator der Ärzte.

Den großen Impfplan macht ja in Niederösterreich Notruf 144, im Auftrag des Landes, diese Institution verteilt auch den Impfstoff. Der Bezirkskoordinator ist dafür zuständig, dass es ausreichend Impfstationen im Bezirk gibt, dass die niedergelassenen Ärzte die Impfung übernehmen können. „Sie wissen am besten über ihre Patienten Bescheid, auch über ihre Unverträglichkeiten.“ Tödling wählte die Ordinationen im Bezirk nach demografischen und geografischen Gesichtspunkten aus.

In Groß-Enzersdorf wird die Praxis Spannbauer & Eder diese Funktion übernehmen. „Diejenigen, die nun bestimmt wurden, haben das gern übernommen“, berichtet er. Es wird in der Ordination geimpft, aber auch Impfstraßen werden eingerichtet. Die Impfstraße in Groß-Enzersdorf wird – so wie auch schon jetzt die Teststraßen – im Hotel am Sachsengang sein.

Tödling koordiniert dies, weil er Bezirksärztevertreter in der Ärztekammer ist. „Ich habe mich vor drei Jahren der Wahl gestellt und bin gewählt worden, obwohl ich parteilos bin.“ Er hatte einige Anliegen. Die Wochenenddienste zum Beispiel, die immer schwieriger zu organisieren sind, nachdem sie freiwillig geworden sind – und unterbezahlt. Er würde sie gerne auf einige strategisch günstige Standorte konzentrieren und damit für einen höheren finanziellen Anreiz für die dann Diensthabenden sorgen – und dies auch mit den Apotheken koordinieren. Da gebe es viel Leerlauf und viel unnötige Fahrerei für die Patienten.

Auch die Zusammenarbeit mit den umliegenden Spitälern, vor allem in Wien, ist Tödling, der auch seit vielen Jahren als Notarzt im Einsatz ist, ein Anliegen. „Wir sind wohl der einzige große Bezirk, der kein Spital hat. Wir sind mit einem Herzinfarkt auch schon nach Wiener Neustadt oder St. Pölten gefahren.“ Der Notarztdienst hat ihn letztlich auch nach Groß-Enzersdorf geführt. Denn der gebürtige Badener – damals noch in Schwechat stationiert – hat auch junge Notfallssanitäter ausgebildet. Darunter Maria Weiss, Landwirtstochter aus Probstdorf, seine spätere Frau.

Tödling übersiedelte ganz ins Marchfeld

Mittlerweile sind beide Ärzte und wohnen in einem Marchfelder Bauernhaus. „Da war genug Platz für die junge Familie.“ Was als Übergangslösung gedacht war, wurde schnell zum festen Wohnsitz: „Wir haben uns einfach hier sehr wohlgefühlt.“ Tödling blieb aber Spitalsarzt, Anästhesist und Intensivmediziner, in Wien. Bis der damalige Ortsvorsteher Josef Hotzy ihn bat, zu überlegen, ob er nicht eine lange ruhende Kassenstelle besetzen wolle.

Die Entscheidung war nicht leicht, er sei auch gerne im Spital gewesen, freute sich aber auch darauf, nicht „noch mit 50 Nachtdienste machen zu müssen“. Also wurde um- und ausgebaut und jetzt führt er – seit 2014 – so eine „richtige Landarztpraxis“ und hat „es noch keinen einzigen Tag lang bereut“.