Rehm: "Die Slowaken sind doch nicht blöd“

Umweltschützer aus Marchegg glaubt nicht, dass im Marchfeld Terminal kommt: „Slowakei hätte Kosten und wir Profit.“

Erstellt am 14. Juni 2018 | 04:50
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Wolfgang Rehm und Christopher Seif
Umweltschützer Wolfgang Rehm und ÖBB-Sprecher Christopher Seif
Foto: Links: Schindler; Rechts: ÖBB

Die Chance, dass im Marchfeld Europas größter Güterumschlagplatz errichtet wird (die NÖN berichtete), hält Umweltschützer Wolfgang Rehm aus Marchegg für eher gering. Grund: „Die Slowaken müssten auf ihrem Boden die Schienen verlegen bzw. bezahlen und wir hätten dann den Profit. Da werden die sicherlich nicht mitspielen, die sind doch nicht blöd.“

Zur Erklärung: Die russische Breitspurbahn (Transsibirische Eisenbahn) endet derzeit im slowakischen Košice. Ab dort gibt es in Richtung Westen nur noch Normalspur-Schienen. Deshalb wurde die Idee geboren, einen neuen Umschlagterminal in Österreich – ursprünglich war das burgenländische Parndorf vorgesehen, jetzt wiederum das Marchfeld – aus dem Boden zu stampfen, fünf Kilometer lang und 300 Meter breit.

"Ich sehe das Projekt völlig wertfrei"

Bis zu 4.000 neue Arbeitsplätze sollen durch das Projekt geschaffen werden. Bereits in sechs Jahren könnte mit dem Bau des neuen Bahnhofs inkl. Logistikzentrum begonnen werden, ab 2033 sollen dann die ersten Züge rollen – so lautet zumindest der Plan, den auch die ÖBB mit Begeisterung verfolgen.

Rehm hingegen hält die Idee für eine Seifenblase: „Ich sehe das Projekt völlig wertfrei. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Slowaken, die ja derzeit selbst den Umschlagplatz haben, durch ihr ganzes Land neue Gleise verlegen und die Kosten dafür übernehmen, damit dann Österreich von einem Umschlagterminal profitiert.“ Rehm gibt auch zu bedenken, dass für den Schienenbau die Karpaten überwunden werden müssten: „Ein Tunnel würde eine Milliarde Euro kosten. Dazu kommt noch die Überquerung der March.“

ÖBB-Sprecher Christopher Seif hält die Debatte für verfrüht: „Wir wissen noch nicht einmal, wo die Trasse verlaufen soll. Aber eines ist klar – es werden nicht nur die Slowaken für die Schienen bezahlen, sondern alle Staaten, die an diesem Projekt Interesse haben.“