Frust: Gänserndorfer Arzt wirft Handtuch. Der beliebte Allgemeinmediziner Florian Imböck beendet seine Tätigkeit in der Ordination.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 06. April 2021 (10:50)
Florian Imböck: „Ich verabschiede mich schweren Herzens von meinen Patienten.“
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Fast zehn Jahre lang war Florian Imböck als praktischer Arzt in der Bezirkshauptstadt tätig – in einer Gemeinschaftspraxis mit Medizinerin Jutta Schleinzer. In der Vorwoche stieg Imböck aus der Ordination aus – völlig überraschend. Er wolle künftig mehr Zeit für seine Familie haben, außerdem sei er von der Politik enttäuscht, ließ der beliebte Arzt seine Patienten wissen.

Als Feuerwehrarzt des Bezirks stehe er weiterhin zur Verfügung. Auch seinen Hauptjob als Betriebsarzt bei der Borealis Polyolefine Gmbh in Schwechat bzw. bei Amazon Logistics (Großebersdorf) werde er weiter ausüben.

„Die steigenden Herausforderungen durch die Corona-Pandemie haben mich in den letzten Monaten zeitlich sehr stark eingeschränkt“, erklärt der Mannersdorfer: „Nachdem ich im Dezember begonnen hatte, im Pflegeheim und in der Ordination zu impfen, kam meine Familie zeitlich viel zu kurz.“

„Von der Bundespolitik hatten wir Praktiker nie Rückendeckung, wir waren immer nur die Geprügelten.“ Florian Imböck, Allgemeinmediziner

Auch die „direkten und indirekten Anfeindungen seitens der Politik, Standesvertretungen und Kollegenschaft“ hätten Imböck in seiner Entscheidung bestärkt. Im NÖN-Gespräch präzisiert der Mediziner seine Aussage: „Gemeint ist die Bundespolitik. Von ihr hatten wir Praktiker nie Rückendeckung, wir waren in dieser Pandemie immer nur die Geprügelten.“

Die Apotheker seien immer als die Heiligen dargestellt worden, weil sie immer geöffnet hatten: „Auch wir hatten immer offen und gaben unser Bestes.“ Dies interessierte die Bundespolitik aber nicht. Immer, wenn irgendwo eine Panne passierte, waren die Ärzte die Schuldigen: „Ich musste mich ständig für Dinge rechtfertigen, für die ich gar nichts konnte.“

Wenn kein Corona-Serum da ist, könne er natürlich auch nicht impfen, so Imböck: „Dazu kamen dann plötzlich ungerechtfertigte Vorwürfe, dass ich befreundete Politiker geimpft hätte, obwohl die noch gar nicht an der Reihe waren.“ Dies alles wolle sich der Allgemeinmediziner nicht mehr antun.

„Das Gänserndorfer Pflegeheim werde ich noch weiter als Betriebsarzt betreuen, aber mit der Ordi ist jetzt Schluss. Als Notarzt habe ich ja schon letztes Jahr aufgehört.“ Kollegin Schleinzer wird Imböcks Patienten in der Praxis übernehmen.