Prozessstart um Erdgasstation-Explosion in Baumgarten verschoben

Der Prozess um eine Explosion mit einem Toten und 22 Verletzten in der Erdgasstation Baumgarten (Bezirk Gänserndorf) am 12. Dezember 2017 startet Corona-bedingt später.

Erstellt am 22. November 2021 | 15:00
Gericht Symbolbild
Foto: APA (Symbolbild)

Die Einzelrichterverhandlung hätte am Dienstag in Korneuburg beginnen sollen, aufgrund des Lockdowns werden die bis inklusive 3. Dezember geplanten Termine abgesagt. "Das weitere Prozedere wird von der pandemischen Entwicklung abhängig gemacht", teilte das Landesgericht am Montag in einer Aussendung mit.

Ursprünglich waren zwölf Verhandlungstage bis 17. Dezember vorgesehen. Den zwölf Angeklagten wird fahrlässige Herbeiführung einer Feuersbrunst vorgeworfen. Vier Unternehmen drohen Geldbußen nach dem Verbandsverantwortlichkeitsgesetz. Die Vorwürfe werden bestritten. Die in diesem Verfahren beteiligten Rechtsanwälte hatten laut einem "Standard"-Onlinebericht gemeinsam eine Vertagungsbitte an das Landesgericht geschickt, weil insgesamt 40 Personen in dem Verhandlungssaal Platz nehmen würden. "Wir sind unisono der Meinung, dass es extrem unverantwortlich wäre, den Prozess jetzt durchzuführen", wurde Privatbeteiligtenvertreter Manfred Ainedter zitiert.

Im Zentrum des Prozesses steht ein Filterseparator. Mitarbeiter einer Rohrtechnik-Firma sollen das Gerät, das Feuchtigkeit aus Gasleitungen filtert, 2016 in einer Anlage in Kärnten abgebaut haben. 2017 wurde der Filterseparator in der Station der Gas Connect Austria (GCA) installiert. Als das Gerät am 12. Dezember 2017 mit Erdgas gefüllt wurde, riss der Deckel ab und wurde auf einen gegenüberliegenden Filterseparator geschleudert, dessen Verschluss ebenfalls aufging. Unter hohem Druck trat Gas aus, es kam zu einer Explosion.

Als Ursache gilt laut Staatsanwaltschaft u.a. eine nicht plankonform befestigte Zentralschraube, ein fehlender Sicherungszentralhebel und eine unzulässig aufgeschraubte Druckklappe am Schnellverschluss. Das Gerät soll von Mitarbeitern des TÜV (Technischer Überwachungsverein, Anm.) Austria Services geprüft worden sein, ohne dass ein fehlendes Bauteil aufgefallen wäre. Die GCA hatte einen Teil der Prüfaufgaben an einen Dienstleister ausgelagert. Bei der Explosion wurde ein 32-jähriger TÜV-Techniker getötet. 22 Personen wurden teilweise schwer verletzt.