Bürger kritisiert nach Einsatz Polizei. Herrenloser Hund auf stark befahrener L6 forderte nicht nur Kfz-Lenker, sondern nun auch Bezirkspolizei-Chef: Bürger übt reichlich Kritik an Vorgehensweise der Beamten.

Von Nina Wieneritsch. Erstellt am 20. Juli 2018 (04:04)
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Ein herrenloser Hund sorgte auf der L6 für Aufregung. Er wurde letztlich von seinem Besitzer eingefangen.
Shutterstock/Maksimilian (Symbol)

Schwere Vorwürfe erhebt Andreas L. gegen die Polizei. Seine Lebensgefährtin, ihre Tochter und deren Freundin hätten versucht, einen herrenlosen, auf der L6 umherirrenden Hund zu retten. Die alarmierte Exekutive hingegen habe dabei nur tatenlos zugesehen. „Die Polizei, ,dein Freund und Helfer‘, hat diesmal einen schlichtweg negativen Eindruck hinterlassen“, ärgert sich L.

Was genau ist passiert? „Meine Lebensgefährtin war vergangene Woche auf der L6 unterwegs, als ein herrenloser Hund verängstigt auf bzw. entlang der Fahrbahn hin und her gelaufen ist“, erzählt L. Sofort sei die Polizei verständigt worden, die Mädchen hätten inzwischen versucht, den Hund einzufangen und die Verkehrsteilnehmer per Handzeichen zu warnen. „Da dies nichts genützt hat, haben sie schließlich mit dem Hund die Straße mehrmals überquert, um die Autofahrer auf die Situation aufmerksam zu machen.“

„Ich denke mir, dass ein Menschenleben doch noch vor dem eines Tieres steht.“ Heinrich Kirchner, Bezirkspolizei-Chef

Dann sei die Polizei eingetroffen, aber: „Die Ignoranz, mit der ,amtsgehandelt‘ wurde, war nicht mehr zu übertreffen“, so L. Einer der Beamten habe angemerkt, einen Hund „prinzipiell nicht“ anzugreifen. Versuche, den Verkehr zu regeln, seien nicht unternommen worden. Der Frau sei gesagt worden: „Sie müssen ja nicht hierbleiben.“

„Aussage wurde aus dem Kontext gerissen“

Die NÖN fragte bei Gänserndorfs Bezirkspolizei-Chef Heinrich Kirchner nach – und der rückt den Vorfall in ein gänzlich anderes Licht: Die Aussage, dass die Mutter mit den Kindern den Einsatzort verlassen solle, sei zwar getätigt wurden, „nur wurde diese Aussage aus dem Kontext gerissen“, so Kirchner.

Die Kinder seien dem Hund nachgelaufen und hätten dabei auch die stark befahrene L6 mehrmals betreten. „Da die Mutter keine Anstalten machte, ihre Kinder auf die Gefahren hinzuweisen, wurde von den Beamten wortwörtlich gesagt: ,Bitte verlassen Sie die Örtlichkeit, um zu vermeiden, dass jemand von einem Lkw erfasst wird‘“, stellt Kirchner klar, und ergänzt: „Ich denke mir, dass ein Menschenleben doch noch vor dem eines Tieres steht.“

Bezirkspolizei-Chef Heinrich Kirchner: „Die Beschwerde enthielt sehr viele Unwahrheiten.“
BPK

Und warum wurde der Hund nicht eingefangen? „Da erst vor ein paar Wochen ein anderer Kollege beim Versuch, einen Hund einzufangen, gebissen wurde, nahm man vom Einfangen vorerst Abstand.“ Stattdessen wurden die Amtstierärztin und dann das Tierheim Dechanthof kontaktiert, das den Hund aber nicht abholte.

Indes habe dieser die L6 verlassen und sei in ein Waldstück gelaufen, wo er letztlich von seinem Besitzer eingefangen wurde. Dieser wurde aufgrund der nicht ordnungsgemäßen Tierhaltung angezeigt. Kirchner stellt fest: „Das Hauptproblem ist, dass es die Dame störte, dass die Beamten dem Hund nicht ewig nachgelaufen sind und ,nur‘ telefonierten.“