Ex-Stadtrat vor Gericht: „Bin unschuldig“. Im Missbrauchsprozess steht nun die Aussage des Angeklagten gegen die Aussage des Klägers. Jetzt soll laut Verteidiger ein „Entlastungszeuge“ reden. Verhandlung vertagt.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 04. September 2018 (08:58)
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NÖN

Er habe sich ehrenamtlich um Kids, die aus schwierigen Verhältnissen stammen, gekümmert, sagt der heute 38-jährige Marchfelder vor Gericht, und er bestätigt, dass jahrelang Kinder und Jugendliche in seiner Wohnung ein- und ausgegangen sind und die Freizeit mit ihm verbracht haben.

Vehement leugnet er, dass es dabei jemals zu sexuellen Übergriffen und Doktor-Spielen gekommen ist. Der Ex-Stadtrat will weder mehrere Teenager belästigt, noch einen unmündigen Buben missbraucht und vergewaltigt haben: „Ich bin unschuldig“, beteuert der Marchfelder.

Warum ihn das heute 15-jährige Hauptopfer beschuldigt, es ab dem neunten Lebensjahr immer wieder missbraucht und vergewaltigt zu haben, erklärt er sich mit Enttäuschung und Rache des Teenagers: „Er wollte weg von daheim, weg von seinem Stiefvater und der Mutter. Er wollte ganz zu mir ziehen. Als das die Behörden und Eltern verwehrten, war er auf mich böse, hat es als schmerzhafte Zurückweisung empfunden und den Missbrauch erfunden.“

„Die eigene Mutter spricht davon, dass der Sohn oft gelogen hat“, zweifelt Roland Friis am Wahrheitsgehalt der Opferaussage. Er beantragt ein psychologisches Gutachten, um die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen zu prüfen. Er will auch noch einen weiteren Jugendlichen im Zeugenstand befragen, der angeblich bestätigen kann, dass das Opfer ihm gegenüber äußerte, die Anschuldigungen wären nur erfunden.

Der Prozess wurde vertagt.