Film zeigt die Glock als Mythos. Journalist Fritz Ofner und Co-Regisseurin Eva Hausberger drehten eine Dokumentation über eine Firma, deren Produkt – eine Schusswaffe – auf der ganzen Welt verwendet wird.

Von Robert Knotz. Erstellt am 26. Juli 2018 (05:43)
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Die Filmemacher erzählen vom Aufstieg der Glock-Pistole zum Fetischobjekt und zur weltweit begehrten Dienst- und Mordwaffe.
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Auch wenn Waffen sowie deren Produzenten und Händler kein besonders gutes Image haben, darf man eines nicht vergessen: Institutionen wie Polizei, Militär und Jägerschaft benötigen diese. Der bekannteste Pistolen-Hersteller der Welt kommt aus Deutsch-Wagram: Gaston Glock. Über seine Firma und Produkte drehten Journalist Fritz Ofner und Co-Regisseurin Eva Hausberger einen Dokumentarfilm. Der Streifen nennt sich „Weapon of Choice“ und soll laut den beiden Produzenten „ein Film über Glock und nicht gegen Glock“ sein.

Wie kommt man dazu, einen Film über eine Pistole zu machen? „Ich erinnere mich, als ich zum ersten Mal von der Erfolgsgeschichte der Glock hörte: In einer Villa am Wörthersee soll ein mächtiger Waffentycoon leben, der in Kärnten und NÖ Waffen fertigt, mit denen auf der ganzen Welt geschossen wird. Wie konnte es sein, dass in einem neutralen Land wie Österreich ein kleines Familienunternehmen zum weltweit mächtigsten Handfeuerwaffenproduzenten aufsteigen konnte, und dies fast unbemerkt von der Öffentlichkeit?“, so Ofner in einem Interview.

Recherchen führten bis in Kriegsgebiete

Die Recherchen führten Ofner und Hausberger vom kleinen Werk in Deutsch-Wagram, wo unter strengster Geheimhaltung produziert wird, quer durch die USA bis in die Kriegsgebiete des Irak. Der Waffenproduzent Glock hatte die Pistole Ende der 1980er-Jahre erfunden, er vollzog mit diesem leicht zu bedienenden Modell aus Kunststoff eine waffentechnische Revolution, die das kleine Familienunternehmen binnen kürzester Zeit zum Global Player machte. „Nachdem ich schließlich beschlossen hatte, den Film zu machen, war mir bewusst, dass ich mich auf ein juristisches Risiko einlasse. Die Möglichkeit einer Klage hing mehrere Jahre lang wie ein Damoklesschwert über diesem Projekt“, so Ofner.

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Journalist und Dokumentarfilmer Fritz Ofner.
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Und weiter: „Unser Ansatz war es, einen Film über Glock und nicht gegen Glock zu machen. Wir sind Dokumentarfilmer, die Geschichten erzählen, die wir in der Wirklichkeit finden.“ Es habe schon beim Schnitt unzähliger Versionen bedurft, um zu einer Fassung zu gelangen, die frei von Polemik und Angriffslust war.

„Es war in der Tat ein hochzwiespältiges Unterfangen, die Geschichte eines Erfolges zu erzählen, der einem Objekt, das töten kann, zu verdanken ist. Selbst wir haben jetzt, wo der Film noch gar nicht gestartet ist, bereits mit Anfeindungen zu tun. Wir wünschen uns, dass es durch den Film zu einer Diskussion kommt. Es ist schade, wenn jede Form des Diskurses im Keim erstickt wird“, ergänzt Co-Produzentin Hausberger. Österreichweiter Kinostart ist am 28. September.