Gerhard Bocek: Schrilles Leben in Extravaganz. Plötzlicher Tod schockte nicht nur persönliches Umfeld. Sein fröhliches Wesen bleibt unvergessen.

Von Robert Knotz. Erstellt am 10. Februar 2021 (04:21)
Er war immer für einen Spaß zu haben: Promi-Wirt Gerhard Bocek. Er galt als einer der Mitbegründer der Marke „Marchfeldspargel“.
NÖN-Archiv

Noch immer herrscht große Trauer nach dem plötzlichen Ableben von Marchfelderhof-Chef Gerhard Bocek. Wie die NÖN online berichtete, war der beliebte Promi-Wirt in der Nacht auf Dienstag der Vorwoche mit 78 Jahren verstorben. Als er am Morgen nicht wie üblich im Lokal erschien, hielten Mitarbeiter in seinen Privaträumen Nachschau und fanden schließlich den Verstorbenen. Vermutliche Todesursache: Herzinfarkt oder Schlaganfall.

„Er stand fast bis zur letzten Minute in seinem Lokal“, weiß PR-Lady Marion Finger – sie organisierte die Promi-Events im Marchfelderhof. Auch Geschäftsführer Peter Großmann zeigte sich tief betroffen: „Das ganze Team und ich stehen unter Schock.“

„Ich bin nicht geboren, um zu sterben.“ Gerhard Bocek zu Peter Großmann am Nachmittag vor seinem Ableben

Bocek arbeitete seit 1958 im elterlichen Betrieb mit und führte das Lokal seit dem Tod von Vater Oskar im Jahr 1969 gemeinsam mit seiner Schwester Hilde Faltus als Geschäftsinhaber und Gesellschafter der „Marchfelderhof Bocek & Faltus Restaurant Betriebsgesellschaft m.b.H.“. Die Schwester kümmerte sich eher um wirtschaftliche und administrative Belange, während Bruder Gerhard aus dem damaligen Landgasthaus ein international bekanntes Restaurant machte. Faltus erlag im Oktober 2018 – dem 175. Jubiläumsjahr des Marchfelderhofes – einem schweren Krebsleiden. „Wir haben schon als Kinder im Lokal mitgeholfen und mit den Gästen geplaudert. Wir hatten auch damals schon hohe Gästezahlen“, erinnerte sich Bocek anlässlich des Todes seiner Schwester.

„Den Chinesen ist es gelungen, Hallstatt detailgetreu nachzubauen, am Marchfelderhof werden sie jedoch kläglich scheitern“, meinte ÖVP-Bürgermeister Friedrich Quirgst scherzhaft bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Bocek im Jänner des Vorjahres. 2017 verlieh ihm der damalige Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) das Staatswappen, wenige Tage danach erfolgte die Verleihung des „Goldenen Verdienstzeichen für die Republik Österreich“ durch ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Vor den Vorhang geholt zu werden, gefiel Bocek nicht wirklich: Es war ihm eher peinlich. Umso mehr freute es ihn, wenn sich andere in seinem Lokal wohlfühlten und das Ambiente bewunderten. Der Marchfelderhof-Chef begrüßte nicht nur seine Promi-Schar stets herzlich – das Wohl aller Gäste, vom Arbeiter bis zum Bankdirektor, lag ihm am Herzen. „Bei uns ist jeder Gast Kaiser“, lautet der Slogan des Lokals. Und vor Promis konnte sich Bocke kaum wehren: Bekannte internationale und auch österreichische Stars, Sternchen, Politiker, Primadonnen, Adel sowie Geldadel gaben sich die Klinke des Marchfelderhofs in die Hand.

Während die Gäste – Promis oder auch nicht – in seinem Lokal schlemmten, was das Zeug hielt, zeigte sich der Chef kulinarisch eher zurückhaltend. Er war Vegetarier und mied auch den Alkohol. „Hin und wieder nippte er an einem Sektglas, wenn es um das Anstoßen bei Geburtstagen ging. Außerdem besuchte er so oft wie möglich ein Fitness-Studio“, erzählt Geschäftspartner Großmann. Er will den Betrieb im Sinne des Verstorbenen weiterführen.

In einem NÖN-Telefonat, etwa zwei Wochen vor seinem Tod, sagte Bocek: „Ich freue mich schon so sehr auf das Ende des Lockdowns. Das werden wir ganz groß feiern.“ Er sollte diesen Tag nicht mehr erleben.