Nachmittagsbetreuung: Ewald ließ Bombe platzen. Schon vor der Abstimmung im Gemeinderat stand der neue Betreiber fest, kritisiert SP-Gemeinderat. VP-Stadtchef Fritz Quirgst kontert: „Hatten nur wenig Zeit.“

Von Robert Knotz. Erstellt am 16. August 2017 (12:00)
Archiv
SP-Gemeinderat Gustav Ewald: „Die VP hat über unsere Köpfe hinweg entschieden.“

Hitzige Diskussionen in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments: Es ging wieder um das leidige Thema Nachmittagsbetreuung. Nachdem der Verein „Familienland NÖ“ – bis dato für die Betreuung verantwortlich – die Zusammenarbeit mit der Stadt kündigte, muss ein neuer Betreiber gefunden werden.

In einem der Tagesordnungspunkte sollte nun das NÖ Hilfswerk dafür auserkoren werden. In einer Vergleichsliste, die SP-Stadtrat Harald Nikitscher ins Spiel brachte, war der Verein „Kidspoint“ allerdings wesentlich billiger. „Für mich gibt es in der Betreuung nicht wirklich viele Unterschiede, beide Vereine leisten gute Arbeit“, so Nikitscher, der von etwa 60.000 Euro Ersparnis ausging.

Archiv
VP-Stadtchef Fritz Quirgst: „Normalerweise braucht man sechs Monate für Vorbereitung.“

VP-Stadtrat Markus Mandl konterte: „Die Ersparnis würde nur etwa 20.000 Euro betragen.“ Er zählte einige Punkte auf, die das Hilfswerk gegenüber dem Mitbewerber voraushätte. Dann ließ SP-Gemeinderat Gustav Ewald die Bombe platzen: „Bereits am 27. Juli erging ein Schreiben des Hilfswerks mit dem offiziellen Stadtlogo an die Eltern, wonach sich diese fristgerecht für eine Betreuung anmelden sollen.“

Allerdings sei in dem Schriftstück auch der Hinweis angeführt, dass eine endgültige Entscheidung erst in der Gemeinderatssitzung fallen solle. Dennoch fühlte sich die gesamte Opposition von der ÖVP überfahren. Ewald: „Warum sitze ich noch hier, wenn bereits alles über unsere Köpfe hinweg entschieden wurde?“ VP-Bürgermeister Fritz Quirgst rechtfertigte sich mit einer extrem kurzen Vorbereitungszeit: „Wir mussten in den Ferien alles organisieren, normalerweise braucht man dafür ein halbes Jahr.“

Detail am Rande: Bekannterweise ist das NÖ Hilfswerk ein ÖVP-naher Verein, „Kidspoint“ wiederum gehört zu den Kinderfreunden und ist somit SPÖ-nahe. In der Abstimmung wurde schließlich mit der VP-Mehrheit der Beschluss gefasst, das Hilfswerk mit der Nachmittagsbetreuung zu beauftragen.