Watschen auf Tankstelle endete vor Gericht. Eine Kindesübergabe an einer Tankstelle in Deutsch-Wagram endete vor Gericht. Ein 27-Jähriger musste sich wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung in Korneuburg verantworten.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 06. Mai 2021 (04:21)
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Übersteigertes Ego, zu viel Testosteron und ein abstrakter Beschützerinstinkt führten am 14. März dieses Jahres auf einer Tankstelle zu einer Auseinandersetzung, die für insgesamt acht Menschen Folgen hatte. Einer davon, ein 29-jähriger Verkäufer, musste sich am Landesgericht Korneuburg vor Richterin Lydia Rada wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung verantworten.

An der Tankstelle sollte es zur Übergabe der zwei gemeinsamen Kinder des Mannes an die Kindesmutter, seine 27-jährige Ex-Frau, kommen. Diese hatte ihren neuen 20-jährigen Partner dabei und dieser soll – als ehemaliger Freund – dem Beschuldigten seine Frau ausgespannt haben.

Die voraussehbar angespannte Atmosphäre wurde noch durch die Anwesenheit eines dritten Pärchens verschärft, das von der 27-Jährigen gebeten worden war, die Kinderübergabe zu beobachten. Es kam, wie es kommen musste: Der 20-Jährige und der Kindsvater gingen aufeinander los und der 29-Jährige soll am Ende der Rauferei die Drohung „Die Kugel nimmt dir keiner ab“ ausgestoßen haben.

Wer wen in der Folge im Schwitzkasten hatte, wessen Faust wen zuerst getroffen hatte und warum die Ex-Frau den 29-Jährigen zu Beginn der Auseinandersetzung geohrfeigt hatte, blieb weitestgehend nebulos, da die insgesamt sechs erwachsenen Zeugen zum Teil sehr „divergierende Versionen“, so die Richterin, zu dem Vorfall schilderten.

Als Tatsache blieb, dass sich die 22-jährige Freundin des dritten Pärchens als Einzige während der Rauferei um die Kinder kümmerte. Die Richterin nannte die „Übergabe“ an der Tankstelle „eine konstruierte Situation“ und konnte sich kein klares Bild machen. Daher urteilte sie mit einem Freispruch im Zweifel. Einen Satz wollte sie dem 29-Jährigen nicht ersparen: „Keiner von Ihnen denkt an die Kinder!“