Abbruchfest schafft Raum für die ganze Welt. Die Weinwurms starten in eine neue Ära: 2022 soll das „Territorium Wein“ fertig sein.

Von Sandra Frank. Erstellt am 21. Juni 2021 (05:24)
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Der alte Teil des Gebäudes wird Ende Juni abgerissen. Um ihre Wurzeln zu ehren, ließen die Weinwurms den Teil mit einem Kunstwerk versehen und luden zum Abbruchfest: Georg und Lisa Weinwurm mit Sohnemann Paul, umringt von einem „perfekten Team“, das die Vision der Winzerfamilie wahr werden lässt (v.l.): die Künstlerinnen Anita Bierbaum und Martina Marschal, Florian Mainx, Markus Spitzbart und Ronald Fornezzi (r.).
Bianca Hochenauer, Bianca Hochenauer

„Das Projekt wird ein Markenbotschafter“, ist Architekt Markus Spitzbart überzeugt von dem, was in den nächsten Monaten auf der Dobermannsdorfer Hauptstraße entsteht. Im Weingut Weinwurm fand vergangenen Freitag nämlich das Abbruchfest statt, das den Spatenstich für das neue „Territorium Wein“ einläutete.

Dies wird neuer Verkaufsraum, neuer Verkostungsraum und neues Büro der Weinwurms. „Es wird unser zukünftiges Herzstück“, sagt Lisa Weinwurm über das Projekt, das im Frühjahr 2022 fertig sein soll. Bis dahin werde noch „viel Liebe, Kraft, Energie und Kapital“ investiert.

Das Winzerpaar wollte aber nicht einfach nur die Bagger auffahren lassen. Die frühere Generation habe den Grundstock für den heutigen Erfolg gelegt. Darum wurden drei Künstlerinnen eingeladen, sich am alten Gebäude mit temporärer Kunst zu verewigen.

Bild von Künstlerinnen spiegelt Abbruch und Aufbau

„Am Anfang haben wir von einem drei mal drei Meter großen Bild gesprochen“, blickt Anita Bierbaum auf die bunte Wand hinter sich, die es schließlich geworden ist. Das Werk spiegelt den Abbruch, aber auch den Aufbruch wider. Was aussieht wie moderne Streetart, begann damit, dass eine der Künstlerinnen Farbe in ihre alte Weingartenspritze füllte und die Wand damit besprühte. So wird auch in der Kunst alte Tradition mit dem Modernen verbunden.

Eine weitere Besonderheit des Ganzen: Eine Reihe von Weinflaschen wurden in das Kunstwerk integriert, „damit etwas bleibt“. Sie dienten als Andenken für die Gäste des Abbruchfests.

Bunte Abbruchteile werden in Neubau integriert

Die Idee, Teile der abgebrochenen bunten Wand im Neubau zu integrieren, kam von Florian Mainx, Geschäftsführer der Agentur Werbereich. Dieser Vorschlag brachte den Baumeister zum Lachen – und ins Schwitzen.

Neben der Dankbarkeit, die sie für die vorangegangenen Generationen empfinden, soll auch „unsere Philosophie für den Wein widergespiegelt werden“, sagt Winzer Georg Weinwurm. Die Weine aus Dobermannsdorf sind mittlerweile auf der ganzen Welt zu finden, darum „soll sich auch die ganze Welt bei uns zu Hause fühlen“, unterstreicht er.

„Wir bauen hier nichts Fremdes“, betont Spitzbart. Der Neubau sei geprägt von den Einflüssen des Winzerpaares. Mit Glas und Metall setzt er einen Akzent zu den traditionellen Mauern des Weinguts, der sich in das bestehende Straßendorf einfügen wird. „Das Geschlossene wird durch Transparentes ersetzt.“

Durch helle und offene Strukturen soll Kommunikation erzeugt werden. Ein Punkt, der den Weinwurms sehr wichtig ist: „Das Territorium Wein soll nicht nur uns Raum bieten, sondern auch den Menschen aus der Region“, spricht die dreifache Mutter von einem Veranstaltungsraum.

Um ihre Visionen zu verwirklichen, setzen die Weinwurms auf das interdisziplinäre Team von „Spitzbart+partners“ und „agentur werbereich“, ein erfahrenes Gespann aus Architekten, Designern und Brandingspezialisten, die das große Ganze im Blick haben. „Wir haben keinen rein akademischen Zugang zu diesem Projekt, die Emotionen müssen spürbar sein“, betont Spitzbart.