Beton im Acker sorgt für Ärger. Biobauer in Dörfles beschwert sich über Reste von Fundament, die Bewirtschaftung stören.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 20. Mai 2020 (05:18)
Betonreste in der Baugrube erregen den Unmut von Biobauer Josef Heymann. Seiner Meinung nach wird illegal gelagert. Ein Streit über die Wegnutzung heizt den Konflikt mit der APG zusätzlich an.
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Josef Heymann behauptet, es wurde illegal Beton auf der Baustelle belassen. Die Stromnetzbetreiber-Gesellschaft Austrian Power Grid (APG) entgegnet, das überschüssige Material wurde ordnungsgemäß entsorgt. Die Gemeinde Weikendorf wiederum sagt, ein Gemeindeweg wird widerrechtlich benützt. Die APG kontert, die Nutzung war Teil des Wegekonzeptes im UVP-Verfahren. Die Fronten scheinen verhärtet.

Anlass für den Disput sind Betonreste, die beim Gießen des Fundaments für einen Mast der neuen Weinviertelleitung übrig blieben. Laut Heymann, der den Acker bewirtschaftet, verstößt dies gegen das Abfallwirtschaftsgesetz. „Da wurde nur Erde drübergeschüttet. Die Betonreste sind noch dazu in so geringer Tiefe, dass ich wahrscheinlich dort gar nicht ackern kann“, ist der Dörfleser Biobauer erzürnt. Er hat Anzeige bei der BH Gänserndorf eingebracht.

UVP-Behörde behandelt Beschwerde

Bezirkshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Merkatz bestätigt auf Nachfrage der NÖN die Erhebungen: „Da es sich hier um ein UVP-genehmigtes Projekt handelt, wurde die Angelegenheit an die UVP-Behörde in St. Pölten weitergeleitet, die die Beschwerde behandelt.“

Christoph Schuh, Sprecher der APG, sieht das Ganze naturgemäß anders: „Das überschüssige Betonmaterial wurde vor dem Zuschütten nach der Aushärtung ordnungsgemäß entsorgt. Das Fundament selbst befindet sich in einer Tiefe von 1,4 Metern, wodurch eine landwirtschaftliche Nutzung ungehindert möglich ist.“

Auch die Nutzung eines Privatweges der Gemeinde ist Streitpunkt. „Es gibt keine Einigung, dass der Weg benutzt werden darf. Trotzdem wird dort gefahren“, so Heymann. Er wäre sogar mit Polizei und Schadenersatzforderungen bedroht worden. VP-Bürgermeister Johann Zimmermann bestätigt: „Wir haben dazu keine Zustimmung gegeben. Nicht im Verfahren und auch nicht nachher. Ich habe noch im März den Bauleiter darauf aufmerksam gemacht.“

Darauf angesprochen, bringt Schuh vor: „Der Weg ist laut Grundbuch als ,sonstige Verkehrsfläche‘ deklariert. Es handelt sich um eine Privatstraße mit Öffentlichkeitscharakter nach §7 des NÖ-Straßengesetzes.“ Außerdem sei die Zufahrt Teil des Wegekonzeptes im UVP-Verfahren gewesen. Zimmermann ließ mittlerweile Fahrverbotstafeln aufstellen – im Einvernehmen mit der Gemeinde Prottes, da besagter Weg je zur Hälfte den beiden Kommunen gehört.

APG: „Es werden 600 Arbeitsplätze gesichert“

Schuh betont: „Die Weinviertelleitung gibt gerade jetzt einen wichtigen Impuls für die regionale Wirtschaft. Es werden 600 Jobs gesichert, die Wertschöpfung beträgt 31 Mio. Euro.“ Außerdem würden 53 Masten eingespart und ein Naturschutzgebiet nicht mehr berührt. Zimmermann: „Wir sind nicht gegen die Leitung, nur dagegen, wie mit uns umgegangen wird.“

Vor Jahren hatten die Gemeinde und zahlreiche Anrainer andere Trassenvarianten vorgeschlagen. „Es wurde uns Gesprächsbereitschaft signalisiert. Dann hieß es plötzlich, wir bauen so wie geplant und aus“, bringt Zimmermann seinen Ärger zum Ausdruck: „Ich kann den Unmut verstehen.“

Verständnis signalisiert auch Schuh: „Bei solchen Projekten gibt es immer Kollisionen mit Individualinteressen. Wenn wir erneuerbare Energie wollen, brauchen wir leistungsfähige Leitungen.“

Zimmermann hat nun die Initiative ergriffen: „Ich habe einen Termin mit einer höheren Stelle bei der APG vereinbart. Wir lassen nicht so über uns drüberfahren.“