Robert Jobst: „Ortschef Zimmermann ist kein Rassist“. Nach der Ablehnung einer muslimischen Familie übte die Sozialistische Jugend Kritik an VP-Bürgermeister Johann Zimmermann. VP-Vize Robert Jobst verteidigt den Ortschef.

Von Natascha Steiger und Stefan Havranek. Erstellt am 24. Juni 2019 (19:28)
NÖN
VP-Vizebürgermeistert Robert Jobst verteidigt VP-Ortschef Johann Zimmermann.

Wie die NÖN berichtete, sorgte eine Unterschriftenaktion gegen den Zuzug einer muslimischen Familie in der Weikendorfer Katastralgemeinde Dörfles für Wirbel. Gemäß VP-Bürgermeister Johann Zimmermann sind religiöse Unterschiede, die nicht mit den eigenen Werten, Sitten und Gebräuchen zusammenpassen würden, für eine Ablehnung der Familie ausschlaggebend gewesen. Mitglieder der Sozialistischen Jugend (SJ) übten nun Kritik am Ortschef und forderten im Zuge einer Protestaktion vor dem Rathaus mehr Nächstenliebe von Zimmermann.

Patrick Hansy, Bezirksvorsitzender der SJ, kritisiert: „Es ist mir unbegreiflich, wie Zimmermann aufgrund von rassistischen Vorurteilen eine Familie ablehnen kann, obwohl er noch nicht einmal mit ihr gesprochen hat. Er sollte sich gut überlegen, welche Werte er vertritt, wenn er Menschen aufgrund ihres Glaubens ablehnt – christliche sind es jedenfalls nicht.“

SJÖ Presse
Die Sozialistische Jugend Gänserndorf protestierte vor dem Weikendorfer Rathaus.

Auch die Landesvorsitzende der SJ NÖ, Melanie Zvonik, war beim Protest dabei: „Dass man hier einer Familie mit derartigem Fremdenhass begegnet, ist schockierend. Bürgermeister Zimmermann antwortet mit Diskriminierung und Hetze und bringt die Weikendorfer gegen die muslimische Familie auf.“

 Jobst verteidigt Zimmermann

 VP-Vize Robert Jobst will das so nicht stehen lassen und stellt klar, dass Zimmermann kein Rassist sei, zumal er auch viele ausländische Bürger zu seinen Freunden zählen würde. Nicht Fremdenhass, sondern entscheidende Bedingungen wie etwa „der Versuch der Familie, mit falschen Angaben das Grundstück zu erwerben“, seien der Grund für die Ablehnung.

Überprüfung angekündigt

NÖN
Grünen-Bezirkssprecherin Beate Kainz: „Religion darf kein Grund für Ablehnung sein.“

Die Gemeinde wurde, wie die NÖN berichtet hatte, zu einer erneuten Erklärung aufgefordert, die fristgerecht am vergangenen Mittwoch bei der Grundverkehrskommission einlangte. Wie der ORF NÖ berichtete, ist die Kommune weiterhin nicht an der Ansiedlung interessiert. Die Grundverkehrskommission des Landes kündigte eine Überprüfung an. Der Fall werde nun geprüft, hieß es seitens der Behörde. Inhaltlich wurde mit Verweis auf das laufende Verfahren kein Kommentar abgegeben.

Auch die Grünen meldeten sich zu Wort. Bezirkssprecherin Beate Kainz: „Es kann immer Gründe geben, die gegen einen Grundstücksverkauf sprechen. Unterschriftenlisten und religiöse Ablehnung zählen allerdings nicht dazu.“

 Mikl-Leitner: "Fall ist unglücklich verlaufen"

 In der ORF-Pressestunde nahm auch VP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner Stellung und wählte ähnliche Worte wie Kainz: „Dieser Fall ist unglücklich gelaufen.“ Es sollten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen. Klar sei aber, dass Religionszugehörigkeit kein Grund für Ablehnung sein dürfe, so die Landeschefin.

Zimmermann selbst will keine Stellungnahme abgeben.