15 Jahre nach der großen Flut. Die NÖN sprach mit Zeitzeugen, wie sie die dramatischen Tage im Jahr 2006 im Bezirk Gänserndorf erlebten.

Von Vera Coursolle. Erstellt am 11. April 2021 (03:37)
Black-Hawk-Hubschrauber standen ebenfalls im Einsatz, nachdem der Damm gebrochen war.
Bundesheer, Bundesheer

Nun jährte sich ein historisches Ereignis zum 15. Mal: Am 3. April 2006 um 3.30 Uhr morgens gab der Damm zwischen Jedenspeigen und Dürnkrut nach, wodurch rund 350 Haushalte mit einem Schlag unbewohnbar wurden. Die ersten Gassen, die das Wasser unterspülte, standen bereits um 10 Uhr einen Meter unter Wasser. Dieses floss weiter bis Mannersdorf und Stillfried, auch dort wurden an die 20 Häuser evakuiert und Keller ausgepumpt.

In Windeseile erschuf man im Turnsaal der Dürnkruter Mittelschule ein Notlager, das die Menschen mit allem Notwendigen versorgte, auch beim Feuerwehrhaus wurde in Folge eine Versorgungsstelle für die Menschen eingerichtet. Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams aus ganz Österreich standen zudem bald bereit, um die Menschen psychologisch zu betreuen. Viele von ihnen waren mit den Worten „Achtung, Achtung, Dammbruch zwischen Dürnkrut und Jedenspeigen, verlassen Sie bitte Ihre Häuser“ aus dem Schlaf gerissen worden. Der Dürnkruter Gerd Meitner – auch sein Haus stand unter Wasser – erinnert sich: „Um 5 Uhr morgens rief mein Sohn an. Wir sollen unsere Katzen nehmen und das Haus verlassen. Das Auto hatten wir bereits am Vortag umgestellt.“

„Der heutige Damm ist mit dem von damals ins keinster Weise zu vergleichen.“ Stefan Scheuringer, Verantwortlicher für den Hochwasserschutz

Auf die Frage, ob er denn schon bereits vorher über den Ernst der Lage informiert war, meint Meitner: „Wir haben bereits etwas geahnt. Als der Damm nach dem Hochwasser 1997 im darauffolgenden Jahr repariert wurde, hieß es, dass der Damm ein Hochwasser nicht aushalten würde. Das war ja nur ein Sandhaufen.“ Der persönliche Schaden habe etwa 90.000 Euro betragen. Hat Meitner je angedacht wegzuziehen? Meitner: „Nein, dann hätten wir überhaupt nichts bekommen.“

Riesige Schäden durch den Austritt von Öl

Durch die Hochwasserkatastrophe in Dürnkrut gab es mehrere Gebäude, die man danach durch irreparable Ölschäden nicht mehr beziehen konnte, man riss sogar Häuser ab und manche stehen noch heute leer. Eine weitere Betroffene schildert die ersten Minuten nach dem Dammbruch folgendermaßen: „In besagter Nacht, als ich die Warnungen aus dem Lautsprecher hörte, verließ ich mit meinem Mann und den Kindern in Windeseile das Haus. Ich nahm nichts mit, ich dachte nur daran, uns in Sicherheit zu bringen und wollte unter keinen Umständen das herannahende Wasser zu Gesicht bekommen.“ Als der Mann kurze Zeit zu Fuß zurückkam, um Sachen zu holen, sei er schon knöchelhoch im Wasser gewatet.

Die NÖN fragte auch beim ehemaligen Feuerwehrkommandanten Johann Bruckner nach, wie er die tragischen Stunden erlebte: „Wir arbeiteten schon vor der Katastrophe tagelang mithilfe von Tauchern an der Abdichtung mancher Dammabschnitte in Dürnkrut, diese waren dann auch tatsächlich dicht.“

Als der Schutzwall bei Jedenspeigen am 3. April schlussendlich brach, sei die FF um 3 Uhr morgens alarmiert worden. „Wir hatten noch Glück, dass die Katastrophe nicht ein paar Stunden später passierte, da wäre der Bahnhofsparkplatz bereits voll von Pendlern gewesen“, ergänzt Bruckner.

Warum gab die Barriere dann schlussendlich doch nach? Bruckner erklärt: „Es lag daran, dass die Stelle etwas niedriger lag. Dadurch schwappte das Wasser darüber und trug in Folge der Untergrund ab. Uns kam dann die Idee, das Leck, das anfangs noch 80 Meter groß war und sich dann auf 150 Meter verbreiterte, mit Black-Hawk-Hubschraubern durch das Abwerfen von Panzersperren und Big Bags zu verschließen, was schlussendlich auch gelang.“

Nach der Hochwasserkatastrophe 2006 beauftragte das zuständige Ministerium die Wasserstraßengesellschaft via donau, das Projektmanagement der dringend notwendigen Dammsanierung in Vertretung der beiden örtlichen Hochwasserschutzverbände abzuwickeln.

Diese trägt seitdem gemeinsam mit den Hochwasserschutzverbänden und den Feuerwehren der Anrainergemeinden die Verantwortung für den Hochwasserschutz. Hinsichtlich kommender Hochwasserereignisse beruhigt Stefan Scheuringer, Projektleiter der „Sanierung HWS March“: „Der Damm wurde mit einer Sicherheitshöhe – einem Freibord von 70 cm – über dem Wasserspiegel eines Jahrhunderthochwassers gebaut und ist mit dem früheren Zustand nicht zu vergleichen.“ Ein Hochwasser wie 2006 könnte, so Scheuringer, jedenfalls sicher abgeführt werden.