Nordbahnquerung: Gewinnt Nord oder Süd?. Gemeinderat in Dürnkrut entschied sich gegen favorisiertes Projekt der ÖBB. Aber auch bei der Nordvariante gibt es Bedenken.

Von Vera Coursolle. Erstellt am 02. Mai 2021 (04:02)
Gegenüber der Kreuzung Mistelbacher Straße – Bernsteinstraße könnte die Zufahrt zum Bahnübergang entstehen.
Coursolle, Coursolle

Entlang der Nordbahn wird modernisiert, in Folge schließt man die bestehenden Eisenbahnkreuzungen entlang der Strecke (die NÖN berichtete). Die Suche nach Alternativen für das Überqueren der Gleise ist im Gange.

Während sich manche Gemeinden bereits für eine Variante entschieden, herrscht in Dürnkrut noch Uneinigkeit zwischen Gemeindemitgliedern, den ÖBB und Teilen der Bevölkerung. Die Bürgerinitiative „Lebensqualität Dürnkrut“ ist mit dem Planungsgebaren der Akteure nicht zufrieden. Sie wünscht sich mehr Informationen zu den Planungen sowie Mitspracherecht der Bevölkerung. Die von den ÖBB und laut Vermutungen der Initiative auch vom Ortschef favorisierte Variante, bei der ein Kreisverkehr auf der Bernsteinstraße auf Höhe der Turmöltankstelle zur Eisenbahnbrücke führen soll, lehnt die Initiative ab. Die ÖBB-Projektleiter betonten indes stets ihren Willen, einen Konsens zwischen der Gemeinde und der Bahngesellschaft zu erzielen. Im Februar lud man Unterstützer der Bürgerinitiative sowie den Gemeinderat zur Projektvorstellung für die neue Umfahrung ein.

ÖBB-Projektmanager waren überrascht

Die Projektmanager der Bahngesellschaft waren – wie sie im NÖN-Gespräch zugaben – über den mangelnden Informationsstand vieler Gemeindevertreter und den Gegenwind zur Kreisverkehrsvariante, die laut SPÖ-Bürgermeister Herbert Bauch das geringste Übel darstellt, überrascht. Die Wende brachte nun möglicherweise die mit Spannung erwartete Gemeinderatssitzung, in der sich eine große Mehrheit gegen die Kreisverkehrs- bzw. auch Südvariante „S1b“ aussprach.

Wie geht es nun weiter? Die NÖN erkundigte sich bei Bauch: „Ich habe die ÖBB vom Ergebnis der Abstimmung informiert, sie haben es zur Kenntnis genommen.“ Wird es seiner Meinung nach nun doch noch eine andere als die propagierte „S1b“-Variante geben? Bauch dazu: „Das weiß ich nicht, es wird aber sicher ein Gespräch in größerem Rahmen stattfinden.“

Die NÖN fragte auch bei ÖBB-Sprecher Daniel Pinka nach und konfrontiert ihn mit dem negativen Gemeinderatsergebnis zur „Südvariante“. Er erläutert: „Die Wahl der Trasse hängt von zahlreichen Faktoren ab. Unser Ziel ist es, einen Konsens mit der Gemeinde zu finden.“ Er betont überdies, dass alle bisherigen Schritte mit der Gemeinde abgestimmt waren und man diesen Weg fortsetzen wolle. „In einem gemeinsamen Termin mit dem Land NÖ und der Gemeindevertretung soll die weitere Vorgangsweise festgelegt werden“, so Pinka weiter. Wie sieht es nun aber mit den Bürgern aus, die von einer Trasse nördlich der Gemeinde betroffen wären?

Dort gibt es bereits eine Postwurfsendung in den gegebenenfalls betroffenen Gebieten, in der über die Nachteile der Nordvariante – „N1a“ bzw. „N1b“ – informiert wird. Die Nordvariante „N1b“ – von Zistersdorf kommend und im Nahbereich hinter Gärten und Häusern der Lagerhausstraße und Dr.-Karl Renner-Straße mit langer Brücke zur Bahn führend, hinter den Gärten der Bahnstraße vorbei – betrifft ebenso zahlreiche Anrainer, die sich bisher jedoch medial nicht äußerten.

Der Geschäftsführer der Firma Instantina, Josef Manner, hat Vorbehalte: „Die Variante ,N1a‘ ist leider nicht umsetzbar, da der Kurvenradius von der Hauptstraße in die Paul-Ferstel-Straße aufgrund der Anforderungen für den Verkehr unseres Betriebsgrundstücks zu stark eingeschränkt würde.“ Wegen der vorgegeben Schleppkurven für die Ein- und Zufahrt sei ein Betrieb der Verladerampen nicht mehr umsetzbar. „Eine Patentlösung, die alle zufriedenstellt, können wir aber auch nicht wirklich anbieten“, meint Manner abschließend.