Schwalben in Gefahr: Abriss von Bahnhof gestoppt. Ausgerechnet während der Brutzeit wollte die ÖBB das alte Bahnhofsgebäude in Dürnkrut abreißen. Beobachtern boten sich dramatische Bilder aufgeregter Schwalben. ÖBB stellte Arbeiten ein und will Schutz der Population sicherstellen.

Von Dagmar Faltner. Erstellt am 04. Juni 2019 (16:51)

Eine unfassbare Tiertragödie spielt sich derzeit am ehemaligen Bahnhofsgebäude in Dürnkrut ab: Trotz der Tatsache, dass zahlreiche Mehlschwalbennester, in denen sich viele noch nicht flugfähige Jungtiere befinden, am Gebäude sind, lässt die ÖBB das seit 13 Jahren leerstehende Bauwerk jetzt abreißen. 

Damit sind die Jungvögel dem Tode geweiht. Den Anrainern bot sich folgender Anblick: Die verzweifelten Elterntiere kreisten um die Baumaschinen und versuchten diese von ihren Kindern zu vertreiben. Vergeblich, Nest um Nest, fiel den Abbrucharbeiten zum Opfer. Tierliebhabern gelang es einige Nester zu rettet und zur Eulen- und Greifvogelstation zu bringen. 

Das Zerstören von Nestern ist außerdem naturschutzrechtlich verboten. So besagt die EU-Kommission, dass Schwalben in ihrer Fortpflanzungsstätte als Kolonienbrüter geschützt sind. Eine Beschädigung der Nester ist verboten (§ 44 Abs. 1 Nr. 3). Lebensstätten sind laut Rechtsprechung als „in der Natur“ befindlich streng geschützt.

Hilferufe waren erfolgreich: ÖBB stoppte Abriss

Die Beobachter reagierten sofort und starteten eine Facebook-Kampagne,  zahlreiche Hilferufe wurden an verschiedene Stellen weitergeleitet. Mit Erfolg. Am Nachmittag erging ein Baustopp und punkt 15 Uhr wurden die Arbeiten eingestellt. An der bahnsteigseitigen Fassade und in einigen Fensteröffnungen sind noch Schwalbennester zu sehen, die von Altvögeln angeflogen werden. Das heißt, in ihnen befinden sich noch Jungvögel. Die scheinen nun fürs erste gerettet zu sein.  

Laut Mitteilung des ÖBB Pressesprechers Christopher Seif wurden die Abbrucharbeiten des alten Bahnhofs schon mehrfach verschoben, um brütende Vögel und Fledermäuse, die sich im leerstehenden Gebäude eingenistet hatten, nicht zu gefährden. 

So sei auch vor den heutigen (4. Juni) Arbeiten überprüft worden, ob sich noch bewohnte Nester am Gebäude befinden. Es waren aber, laut ÖBB Aussendung, lediglich alte Vogelnester aus den Vorjahren vorhanden, welche aufgrund der Nähe zur Fahrleitung nicht entfernt wurden. Im Zuge der Abrissarbeiten wurde jedoch festgestellt, dass sich erneut belegte Nester am Gebäude befinden.

Eier und Jungtiere wurden Greifvogelstation übergeben

 „Der Baggerfahrer vor Ort hat einer Anrainerin 20 Eier und zwei Jungtiere übergeben, welche von dieser dankenswerterweise an die Greifvogelstation Haringsee übergeben wurden", heißt es in der ÖBB-Aussendung. Dort werden die Schwalbeneier jetzt ausgebrütet und die Jungvögel aufgezogen. 

"Da die Situation nach wie vor nicht geklärt ist und der Schutz der brütenden Vögel für uns oberste Priorität hat, wurden die Bauarbeiten am 4. Juni erneut unterbrochen", berichtet Seif. Seitens ÖBB werde umgehend mit der Naturschutzbehörde des Landes NÖ und den Experten von Birdlife Kontakt aufgenommen. "Um den Schutz und die Population der Schwalben nachhaltig sicherzustellen“, versichert Seif. 

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