Südliches Weinviertel: Geldquelle am Versiegen? . Das Coronavirus trifft auch die Kommunen des Bezirks hart. Sie bangen um Einnahmen.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 18. Juli 2020 (17:25)
Die Teilnehmer der Verbandsversammlung der Erdöl- und Erdgasgemeinden rückten nur für das Gruppenfoto zusammen. Bei der Sitzung gab es den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand.
Mauritsch

Die Verbandsversammlung der Erdöl- und Erdgasgemeinden ist normalerweise eine sehr feierliche Zusammenkunft. Diesmal gab es eine abgespeckte Version – sowohl, was die Anzahl der Teilnehmer und Gäste betraf als auch bei den Zahlen. Der coronabedingte Investitionsstopp der OMV und der Rückgang bei den zu erwartenden Kommunalsteuereinnahmen warfen ihre Schatten voraus.

Gesamteinnahmen von 3,03 Mio. Euro verzeichnete der Verband 2019, etwas mehr als die Hälfte davon resultierten direkt von der OMV Austria. Dazu kamen nochmals rund 500.000 Euro von den Kontraktoren. All dies sind Kommunalsteuern, die speziell im heurigen Corona-Jahr den Verbandsgemeinden sehr willkommen sind. Verbandsobmann und Auersthals VP-Bürgermeister Erich Hofer: „Es ist gelungen, bis auf eine Ausnahme alle Altforderungen einzubringen.“

Die Prognose für 2020 liegt deutlich darunter. Rund 30 Prozent weniger Einnahmen budgetiert der Verband für 2020. Der Grund: Gestoppte und ins nächste Jahr verschobene Bohrprojekte der OMV. Der Geschäftsführer der OMV Austria, Reinhard Oswald, führt in seinem Referat die Gründe an: „Unser Hauptproblem ist der historisch niedrige Gas- und Ölpreis am Weltmarkt. Wir spüren den coronabedingten Nachfrage Rückgang sowie den Preiskampf zwischen den USA und Russland.“ Das machte eine drastische Kürzung des Investitionsprogrammes um 50 Prozent auf rund 50 Mio. Euro notwendig.

Wie heftig der derzeitige Gegenwind der OMV Austria ins Gesicht bläst, macht Oswald wie folgt deutlich: „Wir rechnen für 2020 mit zwei Drittel weniger Einnahmen. Das Betriebsergebnis wird wohl nicht mehr zu retten sein. Unser Fokus liegt am positiven Cashflow. Das haben wir geschafft. Wie müssen keine Schulden machen.“

Bei den Betriebskosten ist man ebenfalls kräftig auf die Bremse getreten – die Einsparungen lagen bei rund 15 Prozent – und das nach einem schon rigorosen Sparprogramm in den letzten Jahren.

Alles Maßnahmen, die am Bezirk nicht spurlos vorbeigehen. Seit Jahrzehnten sind Arbeitsplätze und Steuereinnahmen eng mit der OMV verknüpft. Wie reichlich die Öl- und damit Geldquellen sprudelten, machen zwei Beispiele deutlich: Die Straße von Matzen nach Gänserndorf war ursprünglich eine OMV-Straße und das Parkbad in Schönkirchen-Reyersdorf resultiert zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus OMV-Einnahmen.

Sind die goldenen Zeiten vorbei? „Vorerst“, so Oswald. Der Umbau des Konzerns in Richtung neue Technologien lässt hoffen. Die Verwendung unterirdischer Lagerstätten als Speicher für mit erneuerbarer Energie und Spitzentechnologie erzeugter Energie könnte eine Zukunft sein. Es geht weiter. Auch mit den Bohrungen. Für 2021 sind acht Produktionsbohrungen im Plan, Explorationsbohrungen wird es allerdings erst 2022 geben. Große Hoffnung wird auf das Ergebnis der seismischen Untersuchungen gelegt.