Nach Juden-Witzen: VP-Mandatar geht. Erst zehn Monate nach Skandal um antisemitische Chats trat damaliger AG-Spitzenkandidat, VP-Gemeinderat Grün, zurück.

Von Nina Wieneritsch und Stefan Havranek. Erstellt am 02. Februar 2018 (12:41)
Shutterstock/Denis Kuvaev
Symbolbild

FP-NÖ-Landtagswahl-Spitzenkandidat Udo Landbauer zog jüngst die Konsequenzen aus dem Nazi-Liederbuch-Skandal und legte alle politischen Ämter zurück. Auch die SPÖ habe jenen Mann, der ebenjenes Liederbuch der Burschenschaft Germania gestaltet haben soll, aus der Partei ausgeschlossen.

Vergangenes Jahr sorgten antisemitische Chats von VP-nahen Jus-Studenten für einen Skandal (die NÖN berichtete) und einer der Verantwortlichen saß – trotz Androhung von Konsequenzen – noch bis gestern, Donnerstag, im Lasseer Gemeinderat. Die Rede ist von VP-Mandatar Alexander Grün.

Heute, Freitag, zog der Jugendgemeinderat die Konsequenzen: Er trat aus der Partei aus und legte sein Gemeinderatsmandat zurück.

Medialer Druck war letztlich zu groß

Grund dafür war laut VP-Gemeindeparteiobfrau Christine Hahn letztlich der mediale Druck, der nach der Affäre um die antisemitischen Witze in der WhatsApp-Gruppe der AG Jus wieder angestiegen sei.

„Grün hat seinen Gemeinderatssitz und seine Parteimitgliedschaft aufgegeben“, so Hahn, die ihm diesen Schritt hoch anrechnet: „Man muss sich das vorstellen – als die Affäre damals bekannt wurde, wurde er aus der JVP Wien ausgeschlossen und aus der AG Jus, deren Spitzenkandidat für die ÖH-Wahl er war. Dann musste er sein Studium nach Linz verlegen und schließlich ganz abbrechen.“

Und weiter: „Da wird das Leben eines jungen Menschen zerstört und das nur, weil er in dieser WhatsApp-Gruppe ,Haha‘ unter ein Bild gepostet hat.“ Dieses Bild zeigte laut Hahn eine Fotomontage von Hermann Göring mit dem Gesicht eines Freundes von Grün.

Warum wurden nicht schon damals, als die Affäre bekannt wurde, die Konsequenzen gezogen? „Es gab damals natürlich ein Gespräch, in dem Grün sich aber entschuldigte und – meines Wissens als Einziger – seine Fehler zugegeben hat. Deswegen haben wir damals beschlossen, dass er bleiben darf.“ Den nunmehrigen Rücktritt bestätigt auch VP-Bürgermeister Karl Grammanitsch: „Grün hat sich für die gute Zusammenarbeit bedankt und jetzt die Konsequenzen aus dieser Affäre gezogen.“

Chat-Verläufe kamen im Mai 2017 ans Licht

Laut Grammanitsch musste sich Grün schon damals, als die Causa bekannt wurde, im Gemeinderat rechtfertigen: „Er hat damals seine Sicht der Dinge dargestellt und sich aufrichtig entschuldigt. Das Thema wurde von uns dann als einmalige Entgleisung zur Kenntnis genommen.“ Der Ortschef hätte übrigens keine Möglichkeit gehabt, den Gemeinderat des Amtes zu entheben, auch die Orts-VP hätte ihn nur aus der Gemeindepartei werfen können, auf sein Mandat hätte Grün aber weiterhin Anspruch gehabt.

Rückblick: Als die antisemitischen Chat-Verläufe im Mai 2017 ans Licht kamen, befanden sich die österreichischen Studienvertretungen gerade im Wahlkampf und Grün war Wiener Spitzenkandidat bei der VP-nahen AktionsGemeinschaft (AG). Er zog damals die Konsequenzen und trat von dieser Funktion freiwillig zurück. Grün sprach damals von einem „unentschuldbaren Fehler“, er hätte „derart widerliche Postings sofort unterbinden“ müssen.