Ehemalige Synagoge als Denkmal? Spannung steigt. Grüne und Historikerin zeigen sich über Bescheid des Denkmalamtes erfreut. VP-Stadtchef René Lobner wiederum glaubt nicht, dass das Gutachten halten wird.

Von Manuel Mattes und Thomas Schindler. Erstellt am 11. Juli 2018 (04:45)
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1889 wurde die Gänserndorfer Synagoge errichtet, 1908 das angrenzende Rabbinerhaus. Für beide desolate Objekte liegen rechtskräftige Abbruchbescheide vor. Übrigens: Die besagten Häuser gingen 1953 von der Israelitischen Kultusgemeinde in das Eigentum der Gemeinde über.
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Wie die NÖN berichtete , wurde die einstige Synagoge in der Bahnstraße 60, die derzeit als Jugendzentrum dient, vorübergehend unter Schutz gestellt. Das Bundesdenkmalamt (BDA) kam zu dem Schluss, dass es sich bei dem Gebäude „vermutlich um ein Denkmal handelt, das schützenswert ist“. Dies bestätigt auch BDA-Präsidentin Barbara Neubauer. Erst nach weiteren Untersuchungen, bei denen unter anderem das Mauerwerk begutachtet wird, steht dann fest, ob das Haus dauerhaft unter Denkmalschutz gestellt wird.

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Grünen-Bezirkssprecherin Kainz: „Ehemalige Synagoge bekommt ein faires Verfahren.“
NÖN

Zur Erinnerung: Eigentlich hätten das baufällige Gebäude sowie das angrenzende Rabbinerhaus bereits in wenigen Wochen geschleift werden sollen. VP-Bürgermeister René Lobner will an besagter Stelle einen kleinen Park mit Gedenktafel sowie Parkplätze errichten.

Was sagen eigentlich die Gänserndorfer Grünen, die seit jeher zu den schärfsten Kritikern des Projekts gehören, zur Entscheidung des BDA? „Die ehemalige Synagoge bekommt damit ein faires Verfahren. Dem Ansehen der Gemeinde hätte es aber bestimmt gutgetan, wenn das auch ohne Druck von außen möglich gewesen wäre“, so Bezirkssprecherin Beate Kainz.

„Mandatare nicht bereit, über Erhalt zu sprechen“

Und weiter: „Offensichtlich brauchen wir das Denkmalamt, um über den Erhalt historischer Gebäude zu sprechen, weil die gewählten Mandatare dazu nicht bereit sind“, in Anspielung auf den von ihrer Partei bei der jüngsten Gemeinderatssitzung eingebrachten Dringlichkeitsantrag, der mehrheitlich abgelehnt wurde.

Auch Historikerin Ingrid Oberndorfer, die den geplanten Abbruch der einstigen Synagoge ebenfalls entschieden bekämpft, freut sich über den Bescheid des Bundesdenkmalamtes: „Ich bedanke mich für die schnelle Entscheidung. Schließlich befindet sich das Gebäude noch fast zur Gänze im Originalzustand. Laut Wiens Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister besteht bei einem Haus, das einmal eine Synagoge war, die Heiligkeit für immer.“ Oberndorfer ergänzt: „Das Land Niederösterreich dankte mir zudem für meine jüngsten Bemühungen.“

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Historikerin Ingrid Oberndorfer: „Freue mich über die rasche Entscheidung des Denkmalamtes.“
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Lobner wiederum kann die Aufregung rund um den geplanten Abbruch der alten Synagoge nicht nachvollziehen: „Hätten wir dies letztes Jahr getan, hätte es niemanden gestört. Nur weil heuer ein Gedenkjahr ist, wird von manchen selbst ernannten Moralaposteln ein Problem daraus gemacht.“ Der Abbruch sei auch schon vor 20 Jahren unter SP-Bürgermeister Johann Karl ein Thema gewesen.

Lobner hat im Namen der Gemeinde den Bescheid des BDA angefochten: „Hier gibt es nichts Erhaltenswertes. Das Gebäude wurde schon mehrmals umgebaut und für die unterschiedlichsten Zwecke verwendet.“ Diese Woche gibt es eine Begehung mit dem Bundesdenkmalamt. Danach werden die Fronten geklärt sein.

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VP-Stadtchef Lobner: „Auch das Denkmalamt wird erkennen, dass die Gebäude nicht erhaltenswert sind.“
NÖN

An den Gegnern des im Stadtrat bereits beschlossenen Abbruchs der einstigen Synagoge lässt der Bürgermeister kein gutes Haar: „Die Grünen haben sich mit Oberndorfer eine ,wild gewordene‘ Historikerin ins Boot geholt. Gemeinsam schrecken sie vor nichts zurück und haben versucht, Gänserndorf ins rechte Eck zu rücken, und sogar eine Gänserndorfer Anne-Frank-Story inszeniert.“

Lobner abschließend: „Ich bin davon überzeugt, dass auch das Bundesdenkmalamt zur Erkenntnis kommt, dass die beiden Gebäude abzureißen sind. Alles andere wäre eine Farce.“