Fitness in der Krise. Elvira Kölbl-Catic kann Schließung der Fitnessstudios nicht nachvollziehen. Ihre Mitglieder sind traurig & ungeduldig.

Von Sandra Frank. Erstellt am 14. April 2021 (03:20)
Elvira Kölbl-Catic kann nicht nachvollziehen, warum Fitnessstudios in einer Gesundheitskrise monatelang geschlossen sein müssen.
Rainer Einöder, Manuel Mattes

„Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass der Club die Krise überstehen wird“, sagt Elvira Kölbl-Catic mit Überzeugung. Ihr gehört das Fitnessstudio Mrs. Sporty in der Gänserndorfer Bahnstraße. Die Corona-Krise hat die Fitnessbranche besonders hart getroffen. „Seit November haben wir durchgehend geschlossen“, stellt Kölbl-Catic mit Ernüchterung fest.

Wie ist die Stimmung bei den Mitgliedern? „Die sind traurig, und verstehen nicht, warum wir immer noch geschlossen haben müssen“, berichtet die Inhaberin. Einige fragen sogar, ob sie etwas tun können, um wieder vor Ort trainieren zu können. „Das geht natürlich nicht, wir können nicht gegen Gesetze verstoßen.“

Bereits nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 wurden im Studio Maßnahmen getroffen, damit die Damen sicher trainieren können. „Wir bieten Zirkeltraining für 16 Frauen gleichzeitig an. Das haben wir auf acht reduziert.“ Nach jedem Training wurden die Geräte desinfiziert. Auch die Frauen konnten sich jederzeit ihre Hände desinfizieren.

„Ich hab‘ nicht geglaubt, dass wir so lange zuhaben werden.“ Elvira Kölbl-Catic, Inhaberin von Mrs. Sporty Gänserndorf

Derzeit werden keine Mitgliedsbeiträge abgebucht, da das Studio geschlossen hat. Einige Mitglieder zahlen freiwillig weiter, damit der Club bestehen bleiben kann. Dafür ist Kölbl-Catic dankbar. Es gibt Online-Kurse, die die Frauen als Alternative nutzen können. Das Gänserndorfer Studio kann über eine App das Trainings-Programm individuell mit den Frauen abstimmen.

Das Mrs. Sporty in der Gänserndorfer Bahnstraße wird die Krise überstehen. Da ist sich Inhaberin und Unternehmensberaterin Elvira Kölbl-Catic „zu 100 Prozent“ sicher. 
Rainer Einöder, Manuel Mattes

„Von der Zentrale gibt es auch Live-Trainings, die man gleich mitmachen oder aufnehmen kann“, erklärt die Inhaberin. Ein Fitnessstudio lebe von Ein- und Abgängen der Mitglieder. Die, die ohnehin gekündigt hätten, sind jetzt weg. „Es kommt jetzt aber auch niemand nach“, spricht Kölbl-Catic das eigentliche Problem an. Doch sie ist zuversichtlich, dass viele Frauen wieder kommen, wenn Mrs. Sporty endlich wieder die Pforten öffnen darf.

Kölbl-Catic ist außerdem Unternehmensberaterin und war früher einmal Krankenschwester. Darum trifft die Tatsache, dass Fastfood-Restaurants seit Monaten wieder geöffnet haben dürfen, während Fitnessstudios in einer Gesundheitskrise weiterhin geschlossen bleiben müssen, bei ihr einen Nerv: „Das ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Um das Immunsystem zu stärken, sei Bewegung enorm wichtig. „Trotzdem sperrt man die Leute ein“, schüttelt die Guntramsdorferin den Kopf. Das Durchschnittsalter der Frauen, die in Gänserndorf trainieren, liegt bei 49 Jahren.

Bereits mit 30 beginnen Frauen, Muskelmasse abzubauen. Diese kann nur durch Krafttraining wieder aufgebaut werden. „Wenn Muskelmasse abgebaut wird, wirkt sich das auf Gelenkserkrankungen aus“, spricht die ehemalige Krankenschwester von den Folgeschäden. „Niemand redet davon, wie das Immunsystem gestärkt werden kann. Dabei ist das so wichtig, wenn‘s einen erwischt.“ Was ihr in der ganzen Diskussion rund um die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen fehlt, ist der Blick darauf, was gesundheitsfördernd ist. Hier denkt Kölbl-Catic nicht nur auf die körperliche Gesundheit, auch psychologische Stärke ist gefragt.

Dass Kölbl-Catic auch Unternehmensberaterin ist, hilft ihr durch die Krise. „Man kann besser vorplanen und kalkulieren.“ Sie räumt aber ein: „Ich hab‘ nicht geglaubt, dass wir so lange zuhaben werden.“

Was aber wichtiger sei, sind ihre Coaching-Ausbildung im Bereich der Sozialberatung. Denn die Situation sei natürliche eine Belastung: „Das Coaching hilft auf der emotionalen Seite sehr. Nicht nur mir, auch meinem gesamten Team“, erzählt die Guntramsdorferin, die bereits seit sieben Jahren Mrs. Sporty-Clubs führt, zwischendurch sogar drei Betriebe gleichzeitig.

„Die Gesundheit ganzheitlich zu betrachten hilft, positiv zu bleiben“, zeigt sich die Mrs.-Sporty-Inhaberin trotz allem optimistisch.