Interview: Bürgerlisten-Obmann Krichbaumer im Gespräch. Bürgerlisten-Obmann Walter Krichbaumer über seinen Bruch mit der FPÖ, das Problem einer Ein-Mann-Partei und das Ziel, bei der nächsten Wahl zuzulegen.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 01. September 2017 (05:09)
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Bürgerlisten-Gemeinderat Walter Krichbaumer: „Es ist natürlich manchmal etwas mühsam, den Arbeitsaufwand alleine zu bewerkstelligen.“
Schindler

Nach der ÖVP, den Grünen, der FPÖ und SPÖ stand diesmal Bürgerlisten-Gemeinderat Walter Krichbaumer im Rahmen der NÖN-Sommergespräche Rede und Antwort.

NÖN: Sie traten vor der letzten Gemeinderatswahl 2015 aus der FPÖ aus und kandidierten mit der von Ihnen gegründeten Bürgerliste. Die FPÖ hat jetzt vier Mandate, Sie eines. Bereuen Sie Ihren damaligen Schritt?

Krichbaumer: Nein, sicher nicht. Zu diesem Zeitpunkt war im Umgangston mit meiner Ex-Partei bereits zu viel Porzellan zerschlagen. Es ist jetzt, ohne auf die Vorgaben einer Partei Rücksicht nehmen zu „dürfen“, viel einfacher rein nur für die Bürger zu arbeiten. Ich sehe es als Erfolg, dass die Bürgerliste nach einem extrem kurzen Wahlkampf – wir mussten ja als Neueinsteiger auch noch Unterschriften für Unterstützungserklärungen sammeln – mit einem Mandat in den Gemeinderat einzog.

Sind Sie noch immer sauer, weil Sie von der Gemeinde keine Parteienförderung bekommen, da Sie als Ein-Mann-Fraktion keinen Klub-Status haben?

Krichbaumer: Nun, das ist und bleibt meiner Ansicht nach ein rechtliches Problem. Es hat uns ja auch die Volksanwaltschaft in einem Schreiben 2016 recht gegeben und bei diesem Punkt einen Mangel in der Gänserndorfer Verwaltung festgestellt. Es steht zu diesem Thema auch noch weiterhin eine rechtliche Abklärung der Angelegenheit im Raum.

Kann man als Ein-Mann-Fraktion im Gemeinderat eigentlich etwas bewegen bzw. bewirken?

Krichbaumer: Ja, das kann ich sehr wohl. Man braucht nur an die vor Kurzem erfolgte Ablehnung eines Antrags zum Thema Hauptstraße denken. Dieser bekam aufgrund der unvollständigen Aktenlage mehrheitlich keine Zustimmung. ÖVP und SPÖ haben jeweils 14 Mandate, die Grünen und Freiheitlichen jeweils vier Mandate. Es kann also das eine Mandat der Bürgerliste sehr wohl ausschlaggebend sein, wenn sich, wie zuletzt, zwei Gruppen bilden.

Welche Themen sind Ihnen in Bezug auf die Stadt Gänserndorf besonders wichtig?

Krichbaumer: Im Moment sind sehr viele und sehr teure Projekte im Laufen, hier muss darauf geachtet werden, dass sich die Stadt finanziell nicht übernimmt. Denn so schön und so wichtig die Großprojekte wie Bad, neue Volksschule, Ausbau der Kindergärten, Umbau des Geländes bei der Schmied-Villa, Stadterneuerung usw. auch sind, irgendwann ist die Finanzkraft der Stadt erschöpft. Ein weiteres wichtiges Thema ist, dass in Gänserndorf in letzter Zeit viel zu viel Grünbewuchs verschwindet. Hier sollte eine Nachdenkphase einsetzen, denn auch unsere Kinder und Enkelkinder werden noch den Sauerstoff zum Atmen brauchen.

Werden Sie bei der Gemeinderatswahl 2020 wieder als Bürgerliste kandidieren?

Krichbaumer: Ja, das werde ich – mit einem sehr stark veränderten Team. Es gibt mehrere Helfer, die bereits jetzt im Hintergrund aktiv mitarbeiten. Ich möchte dabei versuchen, vor allem junge Leute einzubinden und den Anteil an Frauen so hoch wie möglich zu halten. Das Ziel ist eine Mischung aus Erfahrung und neuen Ideen. Namen werde ich aber vorerst noch keine nennen. Im Wahlkampf werden wir uns verstärkt auf die Neuen Medien konzentrieren. Mit ihnen lässt sich mit wenig finanziellem Aufwand relativ viel erreichen.