Knalleffekt: SP verliert einen Mandatar. Ehemaliger SPÖ-Fraktionschef Siegfried Junger schied aus Partei aus. Jetzt sitzt er als „wilder“ Gemeinderat im Stadtparlament. Über die Gründe kann nur spekuliert werden.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 03. April 2019 (06:00)
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Kam im Juni 2012 für die SPÖ ins Stadtparlament, jetzt fungiert er als parteiunabhängiger Gemeinderat: Siegfried Junger.
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Bei der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments saß er plötzlich nicht mehr in den Reihen der roten Genossen, sondern zwischen den Grünen und den Freiheitlichen: Siegfried Junger, früher SPÖ-Fraktionschef, zuletzt einfacher SP-Gemeinderat und Obmann des Mittelschulverbandes.

Was war passiert? „Er hat uns vor Kurzem erklärt, dass er aus der Fraktion und der Partei austritt und die Obmannschaft beim Schulverband zurücklegt“, erinnert sich SP-Parteichefin Stadträtin Ulrike Cap im NÖN-Gespräch. Hatte es zuvor Streitigkeiten gegeben, die Junger zu diesem Schritt bewegten? Cap: „Nicht wirklich. Offenbar hat von seiner Seite aus etwas nicht gepasst. Vermutlich fühlte er sich bei uns nicht mehr wohl.“

"Reisende soll man nicht aufhalten"

Die Parteivorsitzende spricht von einem schleichenden Prozess: „Er war immer schon eher ein Einzelgänger. Aber wie heißt es so schön – Reisende soll man nicht aufhalten.“ Fakt ist, dass Junger im Gemeinderat verbleiben wird, als freier Mandatar.

Für die Sozialdemokraten ist das Ganze natürlich ein Schlag ins Gesicht: Bisher hatten sie 14 Sitze im Stadtparlament, genauso viel wie die ÖVP, jetzt sind es nur noch 13. Junger selbst konnte von der NÖN für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Somit bleibt die Frage nach seinem tatsächlichen Rückzugsgrund vorerst unbeantwortet.

Polit-Insider vermuten, dass der kürzliche Tod seiner Schwester – sie verstarb völlig unerwartet – Junger aus der Bahn geworfen habe. Zu ihr soll er ein sehr inniges Verhältnis gehabt haben. Andere wiederum glauben, dass ihm der aktuelle Kuschelkurs der Genossen mit der schwarzen Bürgermeisterpartei ein gewaltiger Dorn im Auge war. Zur Erinnerung: Junger und Ex-SP-Bürgermeister Kurt Burghardt waren die letzten Roten, die regelmäßig auf Konfrontation mit der ÖVP setzten.

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