Auto-Deal mit Nachspiel

Für drei Männer aus Gänserndorf endete der Verkauf eines desolaten BMW vor Gericht. Nur für einen der drei ist die Sache nun ausgestanden – mit einer teilbedingten Geldbuße.

Erstellt am 08. Oktober 2021 | 05:11
Prozess
Foto: shutterstock.com/sergign

Der Anfang einer Verhandlung wegen schweren Betrugs und Missbrauchs der Amtsgewalt am Landesgericht Korneuburg hatte ein wenig etwas von einem Abzählreim. Erschienen waren der bis dato unbescholtene 57-jährige Hauptangeklagte, sein Verteidiger Herbert Wabnegg sowie Daniela Schiesl-Müller als Verfahrenshilfe für einen angeklagten Angestellten (41). Doch von dem war ebenso nichts zu sehen wie vom 54-jährigen Chef.

Nachdem das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Monika Zbiral einige Minuten zugewartet und Schiesl-Müller den Saal bereits wieder verlassen hatte, kehrte diese mit ihrem Mandanten zurück, dicht gefolgt vom 54-Jährigen. Doch der, ein Pakistani, konnte ohnehin nicht einvernommen werden, da es dafür eines Dolmetschers bedurft hätte.

Gutgläubiger Kfz-Meister gab Gutachten

So startete der Prozess mit zwei Angeklagten. Der Kfz-Meister musste sich für ein „einstweilen“ ausgestelltes Prüfgutachten für einen BMW verantworten, der eine lange Liste – eine A4-Seite, wie Staatsanwalt Christoph Zechner den Schöffen anschaulich machte – an teilweise schweren Mängeln aufwies. „Ich hab’ einen Fehler gemacht“, war der Mann vollumfänglich geständig und bekannte sich schuldig. „Schaut, dass die Mängel schnell behoben werden“, habe er im guten Glauben gehandelt.

Eine empfindliche Strafe für sein Handeln habe er am 20. Juli dieses Jahres bereits erhalten, als ihm das Amt der Landesregierung die Ermächtigung zur Ausstellung von Prüfgutachten entzog. „Damit sind zwei Drittel des Umsatzes weg“, erklärte der Mann der Richterin. „Ein paar Kunden kommen trotzdem noch“, sagte er, wahrscheinlich dankbar für die verbliebene Stammkundschaft.

Drie Fahrzeuge mit schweren Mängeln als einwandfrei verkauft

Das rechtskräftige Urteil des Schöffensenats: 3.000 Euro Geldstrafe oder zehn Monate Ersatzfreiheitsstrafe, wobei zwei Drittel bedingt nachgesehen wurden.

Anders verhielt es sich beim 41-Jährigen, der sich wegen schweren Betrugs verantworten musste. Er habe in drei Fällen Fahrzeuge mit schweren Mängeln als einwandfrei verkauft – unter anderem den BMW, der das Pickerl vom Erstangeklagten erhielt. Die Zeugenaussagen wiesen eine hohe Übereinstimmung in Ablauf und Abwicklung des Verkaufs auf, aber auch bezüglich der Reklamationen nach der Veräußerung des Wagens.

Trotzdem konnte der Fall an diesem Tag nicht abschließend verhandelt werden, da noch weitere Zeugen zu dem Fall gehört werden sollen, worauf die Richterin vertagte. So war es am Ende nur einer, für den die Sache zumindest ausgestanden ist.