Echter Neffe griff zu Trick: Vor Gericht. 25-jähriger Gänserndorfer stahl seiner 88-jährigen Großtante Schmuck, Golddukaten und Bargeld. Urteil: Zehn Monate bedingte Freiheitsstrafe und 480 Euro unbedingte Geldstrafe.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 18. März 2021 (03:54)
Der Mann bediente sich auch regelmäßig am Schmuck der Großtante.
NOEN, Der Mann bediente sich auch regelmäßig am Schmuck der Großtante.Symbolbild Shutterstock/Photographee.eu

Mehr oder weniger zerknirscht saß ein 25-jähriger Karosseriebauer vor Richterin Monika Zbiral am Landesgericht Korneuburg. Den ihm zur Last gelegten mehrfachen schweren Diebstahl von Schmuck, Golddukaten und Bargeld seiner Großtante in Gänserndorf gestand er unumwunden. Die sprichwörtliche Gelegenheit zu den Taten hatte der Neffe, indem er für die Frau Medikamente besorgte, für sie Einkäufe oder Bankgeschäfte erledigte, was ihn zu dem Satz hinriss: „Sie hat sich immer auf mich verlassen können.“ – „Na, eben nicht“, konterte die Richterin.

Ein Geld-Kuvert und deren Besitzerin, die 88-jährige Großtante, standen dann eigentlich im Zentrum der Verhandlung. Die resolut auftretende Dame sollte zur Menge an Bargeld in besagtem Kuvert befragt werden. Eine Herausforderung für Zbiral, wie sich herausstellen sollte. Die 88-Jährige hörte sehr schlecht und bat die Richterin, die FFP2-Maske abzunehmen, um anhand der Mimik die Fragen besser zu verstehen. Dem kam die negativ getestete Richterin nach. Es änderte nur nichts daran, dass die betagte Frau die Fragen nicht beantworten konnte und immer wieder abschweifte.

Das Ende ihrer Einvernahme gestaltete sich dann insofern turbulent, als die 88-Jährige nicht aufhörte zu wettern, dass ihr niemand zuhöre. Nach einem deutlichen Rüffel durch die Richterin konnte diese auch das Urteil für den Neffen fällen: zehn Monate bedingte Freiheitsstrafe und 480 Euro unbedingte Geldstrafe. Dass sich der 25-Jährige, wie er der Richterin sagte, noch in der Verhandlung bei seiner Tante entschuldigen wollte, muss er dann wohl vergessen haben.