Schlampig, aber kein Betrug

Erstellt am 05. August 2022 | 04:15
Lesezeit: 2 Min
Prozess
Foto: shutterstock.com/sergign
29-Jähriger prellte Gänserndorfer AMS, dieses konnte aber keinen Schaden angeben: Freispruch.
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Mit einer großen Entourage, hauptsächlich aus Familienmitgliedern bestehend, erschien ein 29-Jähriger am Landesgericht Korneuburg – so groß, dass sich Richter Manfred Hohenecker veranlasst sah, die Verhandlung wegen schweren Betrugs in den großen Schwurgerichtssaal zu verlegen.

Seitens der Staatsanwaltschaft war der 29-Jährige angeklagt, neben der Notstandshilfe, die er vom Arbeitsmarktservice (AMS) bezog, durch seine Tätigkeit als Tätowierer zwischen September 2021 und 31. März dieses Jahres 10.000 Euro verdient, dieses Einkommen aber nicht gemeldet zu haben.

Dass er sich „nicht schuldig“ zu bekennen gedachte, ließ er schon vorher in den Gängen des Landesgerichts verlauten. Dementsprechend gelassen antwortete er auf die obligatorisch eingangs gestellten Fragen des Richters nach seinen persönlichen Daten. Als es um seine sechs Vorstrafen ging, wollte er seine joviale Art auch an Richter Hohenecker ausprobieren, indem er diese schmissig mit „Jugenddummheiten“ abtat. Der Konter ließ nicht auf sich warten: „2017 waren Sie nimmer so jung.“

Nachdem das geklärt war, erklärte Verteidiger Andreas Strobl – erwartungsgemäß –, dass sein Mandant nicht schuldig, aber ein „schlampiger Kerl“ sei und vergessen habe, die Nebeneinkünfte zu melden. In der betreffenden Zeit habe der 29-Jährige zwar etwa 40 Sitzungen für Tätowierungen vorgenommen und dafür jeweils 40 bis 50 Euro an Materialkosten – also in Summe maximal 2.000 Euro – verlangt. Jedoch sei das im Rahmen seiner Ausbildung zum Tätowierer – die er belegen konnte – notwendig und außerdem weit unter der erlaubten Zuverdienstgrenze.

Richter mahnte: „Ich tät kein Risiko mehr eingehen“

Das ergab auch das weitere Beweisverfahren, zudem konnte der informierte Vertreter (51) des AMS Gänserndorf keinen Schaden beziffern, der möglicherweise entstanden ist.

Kurzum: Hohenecker sprach den 29-jährigen frei; allerdings nicht ohne pädagogischen Ratschlag: „An Ihrer Stelle würde ich kein Risiko eingehen – bei sechs Vorstrafen.“ Für die angestrebte Selbständigkeit sollte er „Ordnung in seine Angelegenheiten“ bringen.

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