Krebspatientin erlebte Odyssee

Erstellt am 15. Juni 2022 | 05:26
Lesezeit: 3 Min
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Im Medizinischen Zentrum Gänserndorf dürfen mitgebrachte Medikamente nicht verabreicht werden.
Foto: Manuel Mattes
Ärztin im Medizinischen Zentrum Gänserndorf wollte 47-Jähriger Medikament nicht injizieren. Sprecherin entschuldigt sich und verweist auf Verordnung, was mitgebrachte Medikamente betrifft.
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Chemotherapie, Operation, Bestrahlung – all das hat eine 47-Jährige aus Angern gut überstanden. Die Brustkrebspatientin wird nun medikamentös nachbetreut. Eines der Medikamente ist eine Injektion, „die in einem Intervall von exakt 28 Tagen verabreicht werden muss“, schildert die Krebspatientin.

Normalerweise wird das Medikament vom Hausarzt injiziert. An Feiertagen fällt der Termin beim Hausarzt aus. „Dann bekommt meine Gattin das extra bestellte Medikament vorher ausgehändigt“, schildert ihr Mann, dass jener Arzt, der im Sprengel Feiertagsdienst hat, seiner Frau die Spritze gibt.

Genau das sorgte am Pfingstmontag für Probleme: Das Medizinische Zentrum Gänserndorf (MZG) hatte an diesem Tag Dienst. Die Patientin fuhr dorthin, um ihr Medikament, das originalverpackt und plombiert war, injiziert zu bekommen.

„Die diensthabende Ärztin saß genervt und gelangweilt bei den Damen im Empfangsbereich“, berichtet die 47-Jährige. Die Medizinerin wollte der Frau die Spritze nicht geben, weil es eine Vorschrift gebe, die es untersage, mitgebrachte Medikamente zu verabreichen.

Was die Patientin nun tun solle, wurde ihr von der Ärztin nicht gesagt. „Nach langen Telefonaten und insgesamt 92 Kilometern Autofahrt ist es uns gelungen, eine engagierte, motivierte und freundliche Ärztin in einem fremden Arztsprengel zu finden“, schildert die Angernerin immer noch hörbar entnervt.

Mitgebrachtes Medikament darf nicht injiziert werden

Doch der Ärger über das Verhalten der Ärztin bleibt. Darum wandte sich das Ehepaar an die Medien.

„Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die der Patientin entstanden sind“, sagt Stefanie Weingartshofer, Sprecherin des MZG, auf NÖN-Nachfrage. Sie bestätigt aber, dass es eine Anweisung des ärztlichen Direktors gebe, dass keine mitgebrachten Arzneimittel verabreicht werden sollen.

Warum? „Weil bei diesen keine Gewährleistung gegeben ist.“ Ob das Medikament richtig gelagert oder gekühlt wurde, könne vom diensthabenden Mediziner nicht kontrolliert werden. Außerdem hätte der medizinische Grund für die Verabreichung eines Arzneimittels vom behandelnden Arzt im MZG durch einen anerkannten Befund überprüft werden müssen. „Letztlich ist es aber eine Einzelfallentscheidung des Arztes, ob die Verantwortung dafür übernommen wird“, sagt Weingartshofer. Notwendigkeiten müssen potenziellen Risiken gegenübergestellt und mit dem Patienten erörtert werden. „Das ist in diesem Fall leider nicht geschehen“, bedauert die Sprecherin. Der ärztliche Direktor werde deswegen ein klärendes Gespräch mit der betroffenen Ärztin führen.

Generell sei anzumerken, „dass für planbare Therapien, wie die Verabreichung von Arzneimitteln, die niedergelassenen Hausärzte primär zuständig sind“, betont Weingartshofer. Darum hätte die Betroffene vorher mit ihrem Arzt abklären müssen, wer ihr die Injektion verabreichen kann. „Für Notfälle steht das MZG natürlich für Patienten jederzeit zur Verfügung“, heißt es abschließend.

 

 

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