Kritik: Keine Zeit für Unfallopfer?. Weil sich Arzt angeblich auf den Heimweg vorbereitete, soll ein Mann mit Kopfwunde nur notdürftig versorgt worden sein. Klinik weist Kritik entschieden zurück.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 27. September 2017 (04:16)
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Die Gänserndorfer Tagesklinik, eine „Zweigstelle“ des Landesklinikums Mistelbach, steht im Visier eines Patienten-Angehörigen.

Schwere Vorwürfe erhebt Josefine C. gegen das Medizinische Zentrum Gänserndorf: Die Tagesklinik soll ihren verletzten Schwiegersohn nicht entsprechend behandelt haben, weil der anwesende Arzt angeblich keine Zeit hatte, da er sich bereits auf den Heimweg vorbereitete. Die Klinik weist die Anschuldigungen entschieden zurück.

Die Vorgeschichte: Es war an einem Samstag, als dem Schwiegersohn ein Ziegelstein auf den Kopf fiel, worauf er sich eine stark blutende Platzwunde zuzog. „Ich fuhr mit ihm sofort in die Tagesklinik, die ja offiziell bis 19 Uhr geöffnet hatte. Obwohl wir um 18.15 Uhr ankamen, sagten uns die Damen beim Empfang, dass wir ins Krankenhaus Mistelbach fahren müssen, weil der Arzt jetzt nach Hause gehe.“

Dem Unfallopfer wurde zwar ein Druckverband angelegt, es gab aber keine weiteren Untersuchungen: „Meinem Schwiegersohn wurde nur gesagt, dass er nicht selber mit dem Auto fahren dürfe, weil er sonst bei einer Polizeikontrolle Ärger bekommen würde.“

„Warum wurde nicht die Rettung alarmiert?“

Josefine C. ist mehr als sauer: „Wenn die Verletzung wirklich so gefährlich war, warum hat dann die Klinik nicht die Rettung alarmiert?“ Und weiter: „Ich dachte immer, ein Arzt hätte einen Eid geschworen, um Menschen zu helfen. Dies ist wohl in der Gänserndorf Tagesklinik nicht so.“

Zum Glück ist der besagte Fall noch gut ausgegangen – es war tatsächlich nur eine Platzwunde, die in Mistelbach genau untersucht und behandelt wurde. Trotzdem stellt sich Josefine C. die Frage: „Macht sich die Tagesklinik keine Sorgen, dass ein Patient den Weg ins Mistelbacher Spital nicht schafft?“

„Der Patient wurde sehr wohl untersucht“

Die Klinik-Leitung wehrt sich auf NÖN-Nachfrage gegen die Vorwürfe: Der Patient sei gegen 18.45 Uhr gekommen. Er erhielt einen frischen Verband und wurde – entgegen dem Vorwurf – vom anwesenden Unfallarzt begutachtet. Primar Martin Schwarz, Leiter der Unfallchirurgie, betont: „Der diensthabende Unfallchirurg ist ein erfahrener Oberarzt.“

Schwarz weiter: „Patienten werden bei Bedarf selbstverständlich auch über die Dienstzeit hinaus untersucht, versorgt und behandelt. Den Vorwurf, dass der Arzt bereits nach Hause gehen wollte, weisen wir daher strikt zurück.“ Zum Thema Transport nach Mistelbach sei zu sagen, dass „oft aufgrund längerer Wartezeiten auf einen Rettungstransport dieser selbstständig gewünscht wird.“ Bei eindeutiger medizinischer Indikation – zum Beispiel Schwindel, Amnesie oder starke Schmerzen – wird allerdings ein Transport mit dem Rettungswagen angeordnet.

Laut den Informationen, die der Klinikleitung vorliegen, reagierte der Patient verständnisvoll und begab sich selbstständig – mit Begleitperson – ins Landesklinikum nach Mistelbach.