Kundgebung für Synagoge. Weil ein Fest zum 130. Geburtstag des ehemaligen Bethauses von der Gemeinde nicht genehmigt wurde, ist nun Alternative angedacht. Die muss von der BH bewilligt werden.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 29. Mai 2019 (03:48)
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Setzen auf Trick 17: Grünen-Fraktionschefin Beate Kainz und Sozialarbeiter Fred Härting, der Organisator der Kundgebung.
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Jener Mitbürger, der ein Jubiläumsfest für die 130. Jahre alte ehemalige Synagoge in Gänserndorf veranstalten möchte und bisher anonym bleiben wollte, hat sich nun gegenüber der NÖN geoutet: Es handelt sich um Fred Härting, Gitarrist bei der Extremhirsch-Band und Gründer des In-Lokals Faux-Pas, das später K.U.L.T. hieß.

Wie exklusiv berichtet, lehnte die Gemeinde das Fest für das ehemalige jüdische Bethaus in der Gänserndorfer Bahnstraße, das 1889 errichtet worden war, ab. Begründung: Derzeit laufen Untersuchungen des Bundesdenkmalamtes wegen der Unterschutz-Stellung. Außerdem sei das Haus baufällig, was wiederum ein Risiko für die Festgäste darstelle.

Zur Erinnerung: Die Gemeinde wollte die desolate Synagoge schon im Vorjahr abreißen – dafür gibt es auch einen gültigen Stadtratsbeschluss. Daraufhin schaltete sich das Bundesdenkmalamt ein und stellte das Gebäude kurzerhand unter Schutz. Das Bundesverwaltungsgericht hob den Bescheid in der Folge wieder auf, worauf das Denkmalamt die Synagoge erneut unter Schutz stellte.

"Wir werden kein Fest veranstalten, sondern eine Kundgebung"

Zurück zum Fest: Härting, der früher in Gänserndorf wohnte und derzeit in Zwerndorf lebt, gab sich ob der Absage der Gemeinde nicht geschlagen und suchte, unterstützt von den Grünen, nach einem Ausweg. Dieser soll nun gefunden worden sein: „Wir werden kein Fest veranstalten, sondern eine Kundgebung. Für diese ist die Bezirkshauptmannschaft zuständig und nicht die Gemeinde.“

Ein entsprechendes Ansuchen wurde bereits gestellt: „Derzeit arbeiten wir die Auflagen der Behörde ab. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Bewilligung bekommen.“ Die Kundgebung soll am 28. Juni von 15 bis 18 Uhr stattfinden – und zwar am Gehsteig, Radweg und auf drei Parkplätzen vor der ehemaligen Synagoge. Das Gebäude selbst und sein Vorgarten werden nicht betreten.

Warum ist Härting die Veranstaltung so wichtig? „Mein Vater, er war Arzt in Gänserndorf, hatte mir, als ich noch ein Kind war, immer erklärt, wie wertvoll diese Synagoge ist. Ich wuchs in einer liberalen Familie auf, wo auch Juden zum Freundeskreis zählten.“ Deshalb sei es ihm wichtig, ein Zeichen für den Erhalt des einstigen Bethauses zu setzen. Härting bedauere, dass die Gemeinde das Fest untersagte: „Ich hoffe trotzdem, dass viele Vertreter der Stadtregierung zur Kundgebung kommen.“