NÖGKK: Rätsel nach angeblichem Anfall. Frau wirft Krankenkasse vor, ihrem Ehemann nach einem Kollaps auf deren Toilette nicht geholfen zu haben. NÖGKK weist Vorwürfe zurück: „Gab gar keinen Anfall.“

Von Thomas Schindler. Erstellt am 06. Juni 2018 (04:20)
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Schwere Vorwürfe erhebt Nadine N. gegen die Mitarbeiter der NÖ Gebietskrankenkasse. Diese sollen ihrem Ehemann, der auf der Toilette der Gänserndorfer NÖGKK-Zweigstelle angeblich einen epileptischen Anfall erlitt, nicht geholfen haben. Gänserndorfs NÖGKK-Leiter Siegfried Vock weist die Anschuldigungen entschieden zurück: Die Vorwürfe der Frau seien frei erfunden.

Nadine N. schildert den Vorfall wie folgt: „Mein Gatte ist schwerer Epileptiker. Er hatte einen Termin beim Amtsarzt. Nachdem er lange warten musste, suchte er auch das WC auf. Dort bekam er einen Anfall, bei dem er sich am Auge verletzte. Mithilfe seiner Notfall-Uhr kontaktierte er mich.“ Daraufhin rief die Frau sofort bei der Gänserndorfer NÖGKK an: „Ich wollte, dass jemand zur Toilette geht, um meinem Mann zu helfen.“

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Siegfried Vock wird mit 1. Oktober neuer Chef der Gänserndorfer Krankenkasse.

Am anderen Ende der Telefonleitung soll sich aber ein „präpotenter Herr“ gemeldet haben: „Er meinte, dass er gerade eine technische Störung habe und sich jetzt nicht um meinen Gatten kümmern könne. Danach legte er einfach auf.“ Nadine N. habe dem NÖGKK-Mitarbeiter dann stocksauer eine Nachricht hinterlassen: „Ich fragte ihn, ob er gerne mit dem Leben meines Mannes spiele und ob man Technik nicht doch eher ersetzen könne als ein Menschenleben.“

„Jeder Anfall kann bei ihm tödlich enden“

Die Frau abschließend: „Jeder Anfall kann bei meinem Gatten tödlich enden. Ich habe Angst um ihn. Und das Schlimmste ist, dass sich ich sogar Angst haben muss, wenn er sich in einer öffentlichen Krankenanstalt befindet – dort, wo ihm eigentlich geholfen werden sollte.“ Nadine N. und ihr Ehemann sind eigenen Aussagen nach nervlich am Ende. Gegen die Krankenkasse überlegen die beiden nun rechtliche Schritte wegen unterlassener Hilfeleistung.

Was sagt die NÖGKK zu den Vorwürfen? Gänserndorfs Service-Center-Leiter Siegfried Vock: „Ich habe persönlich mit dem betroffenen Patienten über den angeblichen Vorfall gesprochen. Er versicherte mir, dass es sich dabei um ein Missverständnis seiner Frau handelte. Es gab keinen epileptischen Anfall in unserem Haus und somit auch keine unterlassene Hilfeleistung.“

Ging man nach dem Anruf eigentlich zur Toilette, um nachzusehen, ob der Mann dort verletzt am Boden lag? „Natürlich. Dort war er aber nicht. Der Patient wartete ganz normal in unserem Service-Center auf seinen Termin“, kann Vock die ganze Aufregung nicht nachvollziehen.