Ponyritt gegen Geldnot beim Circus Aros. Pandemie reißt finanzielles Loch ins Budget des Circus Aros. Um dem entgegenzuwirken, verleiht Direktor nun Huftiere für Spaziergänge im Landschaftspark in Gänserndorf.

Von Manuel Mattes. Erstellt am 11. Februar 2021 (04:37)
Ein Leben für den Zirkus: Gattin Marina, Tochter Mariella, Pony „Aros“, Tochter Sherilyn und Zirkusdirektor Reinhard Mike.
Mattes

Viel liest man dieser Tage von Branchen, die von der Corona-Pandemie finanziell schwer gebeutelt sind – von Friseuren und Fußpflegern, von Buchhändlern und Event-Veranstaltern, von Lokalen und Reisebüros. Ein Geschäftszweig kommt in der öffentlichen Debatte aber so gut wie gar nicht vor – die Zirkusse.

Reinhard Mike, er hat deutsche Wurzeln und ist Chef des in Gänserndorf ansässigen Circus Aros, und seine Familie sind seit Ende Oktober zum Nichtstun verdammt. Ob Lockdown oder nicht – die Kosten für die Versorgung der Tiere laufen natürlich weiter. Hinzu kommen Reparaturen von Autos, Anhängern und Zelten, die Platzmieten und der Lebensunterhalt für Mikes Familie. Der Unternehmenssitz befindet sich offiziell in Deutschland, die Shows gehen in Österreich über die Bühne. Nirgendwo hat man Anspruch auf Unterstützungsgelder, da wie dort dürfte auf die Branche schlichtweg „vergessen“ worden sein.

„Der Zirkus ist mein Leben. Es gibt nichts, was ich lieber tun würde.“ Reinhard Mike, Zirkusdirektor

Um aus der Not eine Tugend zu machen, wartet Mike nun mit einem speziellen Angebot auf: „Wir möchten Menschen und insbesondere Kindern die Möglichkeit geben, mit unseren Ponys spazieren zu gehen oder auf ihnen zu reiten.“ Um etwa 30 Euro pro Stunde kann man sich ein Tier ausborgen und mit ihm in den nahe gelegenen Landschaftspark marschieren. Angst braucht man vor ihnen definitiv keine zu haben. „Unsere Ponys sind überaus gutmütig und den Umgang mit Menschen gewöhnt. Auf Wunsch begleiten wir die Menschen aber gerne auf ihrem Spaziergang“, so Mike weiter. Das Angebot soll ein wenig Geld in die Kassen des „Circus Aros“ spülen, zumal nicht klar ist, wann Aufführungen wieder erlaubt sein werden.

Bereut Mike es manchmal, sich für den Beruf entschieden zu haben? „Nein. Es gibt keinen Job, den ich lieber ausüben würde. Wir sind seit Generationen in dieser Branche tätig. Das ist mein Leben“, meint der Familienvater kämpferisch. Das ganze vorige Jahr sei nicht besonders gut gelaufen: Obwohl die Corona-Auflagen teils sogar übererfüllt wurden, sei die Angst einer Ansteckung offenbar nicht aus den Köpfen der Bevölkerung verschwunden.

Mike bedankt sich auch bei den zahlreichen Unterstützern, die bereits für den Zirkus gespendet haben – sei es in Form von Tierfutter oder auch durch finanzielle Zuwendungen. Mittlerweile nagt die Pandemie aber an der Psyche der Zirkusfamilie. Ein Spaziergang mit einem der drei süßen Ponys wäre für viele Kinder wohl eine erfreuliche Abwechslung in einem sonst sehr monotonen Alltag – und sowohl dem Zirkus als auch den Kids wäre damit geholfen.