Schwerer Schlaganfall: Trauer um Affe Johannes

Erstellt am 20. Juli 2022 | 06:00
Lesezeit: 3 Min
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Schimpanse Johannes verbrachte seinen Lebensabend im Gut Aicherbichl in Gänserndorf-Süd.
Foto: Gut Aiderbichl
Der Schimpanse Johannes starb mit 41 Jahren. Elf davon lebte er in einem Versuchslabor, wo er unbeschreibliche Qualen ertragen musste. Nach seiner Befreiung fand er ein neues Zuhause im Safaripark Gänserndorf.
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Im Affenrefugium des Guts Aiderbichl herrscht Trauer: Schimpanse Johannes, geboren 1981 im afrikanischen Urwald, ist tot. Das Tier war eines von vielen, die einst von der Pharma-Industrie für Versuche gehalten wurden. Manche Affen hatte man mit HIV infiziert, andere mit Hepatitis – was gar nicht das größte Problem war. Die Tiere hätten mit der Krankheit durchaus zufrieden leben können. Der Wahnsinn war die Haltung in viel zu engen Käfigen – isoliert von den Artgenossen.

Dort waren Klettern und Laufen nicht mehr möglich. Johannes verfiel in ein Trauma und begann, sich selbst zu verletzen. Mit dieser Einzelhaft war es 1997 zum Glück vorbei, als er und zwei Dutzend andere Affen am Safaripark-Gelände ein neues Zuhause bekamen. Dieses artgerechte Refugium wird seit 2009 vom Gut Aiderbichl geführt.

„Obwohl Johannes über die Jahre physisch und psychisch gelitten hatte, entwickelte er sich zu einem sehr gefühlvollen Schimpansen“, erinnern sich die Pflegerinnen.

Ihre Liebe und Fürsorge, insbesondere jene von Bettina, machten das Tier wieder selbstbewusst – und vermutlich auch glücklich. Jetzt fehlt Johannes den anderen Schimpansen und den Menschen, die ihn kannten.

Johannes war ein Schlichter und Tröster

„Er war auf seine Art einzigartig“, weiß Betreuerin Bettina. „Johannes war der einzige Schimpanse, der auf Polster und Decke schlafen wollte.“ Außerdem war er ein Langschläfer, der jeden Morgen geweckt werden musste. Wie die anderen Affen auch liebte Johannes das Freigehege: „Im Sommer saß er dort total entspannt und genoss sein Leben. Er mochte die Wärme der Sonne.“ Kam es in der Gruppe zu einem Streit, war Johannes immer der Schlichter: „Er beruhigte und tröstete die anderen.“

Kürzlich der Schicksalsschlag: Johannes erlitt einen Schlaganfall, der zu schweren Lähmungserscheinungen führte. Es gab keine Heilungschance. Der Schimpanse musste vom Tierarzt erlöst werden.

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