SP-Burghardt nimmt den Hut: „Habe keinen Tag bereut“. Zwölf Jahre engagierte sich der 57-Jährige politisch für die Stadt Gänserndorf, drei davon als Bürgermeister. Jetzt will Kurt Burghardt „Junge ans Ruder lassen“.

Von Sandra Frank. Erstellt am 14. September 2017 (02:33)
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SPÖ-Stadtrat Kurt Burghardt
NÖN

„Alles hat einmal ein Ende“ – mit diesen Worten gab SPÖ-Stadtrat Kurt Burghardt seinen Rückzug aus der Gemeindepolitik bekannt. Für seine Kollegen im Gemeinderat kam dieser Schritt überraschend. „Ich hatte das immer so geplant“, war für den ehemaligen Bürgermeister der Stadt Gänserndorf klar, dass er sein Amt zur Halbzeit zur Verfügung stellen werde.

„Offiziell trete ich mit 15. Oktober zurück“, so der Sozialdemokrat im NÖN-Gespräch. So müsse keine Gemeinderatssitzung eingeschoben werden, um den Nachfolger anzugeloben. Die nächste reguläre Sitzung findet am 25. Oktober statt. Wer neuer Stadtrat der SPÖ werden wird? „Das müssen die Gremien entscheiden – aber ohne mich.“ Favoriten habe der Gänserndorfer keinen: „Ich traue das in meiner Fraktion jedem zu.“ Er sei jetzt 57 und möchte – sofern sein Arbeitgeber zustimmt – im nächsten Jahr mit der Altersteilzeit beginnen. Darum gehören in der Partei „die Jungen ans Ruder“, wie er bereits bei der Gemeinderatssitzung am Mittwoch, bei der er seinen Rücktritt verkündete, betonte.

„Die Ehre haben zu dürfen, 2012 zum Bürgermeister gewählt worden zu sein“, das sei das Schönste in seiner Ära gewesen. „Wirklich stolz“ ist der 57-Jährige, dass er 2014 den Prozess der Stadtentwicklung starten konnte. Dass er diese als Bürgermeister nicht mehr weiter verfolgen konnte, tue ihm leid. Aber: „Es kam dann eben alles anders“, spricht er den Verlust des Bürgermeistersessels an die ÖVP an. Stadtchef René Lobner fand in der Gemeinderatssitzung lobende Worte für seinen Vorgänger: „In deinen zwölf Jahren im Gemeinderat hast du Höhen und Tiefen erlebt. Es war nicht immer nur Sonnenschein. Wir wären arm, wenn wir nicht solche Menschen wie dich hätten, die sich politisch beteiligen.“

Zeit im Gemeinderat war „schön und aufregend“

Auch wenn die Zeiten in der Kommunalpolitik nicht immer einfach gewesen sind, er habe „keinen einzigen Tag bereut“. Selbst dann nicht, als er noch als Stadtchef um 2 Uhr morgens von einem Bürger angerufen wurde, der sich beschwerte, dass sein Nachbar so laut Radio spiele. „Ich habe ihm gesagt, er soll die Polizei anrufen und nicht mich.“ Die kuriose Antwort des Anrufers? „Wenn ich nicht schlafen kann, dann brauchen Sie auch nicht schlafen“, erinnert sich der ehemalige Bürgermeister lachend. Seitdem schaltet er sein Handy in der Nacht übrigens aus.

„Es waren schöne und aufregende Zeiten“, spricht Burghardt über die vergangenen Jahre. Jetzt freue er sich auf seinen politischen Ruhestand, in dem er seinem Hobby, dem Fotografieren, nachgehen möchte. Ganz zurückziehen wird er sich aber nicht: „Ich werde immer und ewig ein Sozialdemokrat bleiben“, wird er weiterhin in seiner Partei mitarbeiten.

„Es sind jetzt fast 40 Jahre, dass ständig ein Burghardt im Gemeinderat ist.“ So lange gestalte seine Familie die Stadt politisch mit. Auch jetzt wird der Gemeinderat nicht ohne einen Burghardt auskommen müssen: Sein Sohn Florian bleibt dem Gremium erhalten. Doch mit Kurt Burghardt verlasse ein „lustiger, sehr spannender und gemütlicher Gegner das Haus“, wie es ein ÖVP-Mandatar ausdrückte.