Anrainer tobten wegen Umfahrung. Gemeinde und Land NÖ präsentierten Pläne von der bald fertigen Umfahrungsstraße Süd – sehr zum Ärger einiger Zuhörer, die das Projekt scharf kritisierten.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 10. April 2019 (06:00)
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VP-Verkehrsstadtrat Manfred Trost (l.) und Jörg Ehrenreich von der NÖ Landesstraßenbau-Abteilung nach der hitzigen Diskussion.
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VP-Verkehrsstadtrat Manfred Trost und Jörg Ehrenreich von der NÖ Landesstraßenbau-Abteilung luden zu einer Bürger-Informationsveranstaltung zum 4,8-Millionen-Euro-Projekt „Umfahrungsstraße Gänserndorf-Süd“. Was die beiden nicht ahnen konnten: Aus der harmlosen Präsentation entwickelte sich ein handfestes Streitgespräch.

Am Anfang war noch alles eitel Wonne: Ehrenreich erklärte den etwa 100 Zuhörern im Mehrzweckraum des Kindergartens Wolkenschiff, dass mit dem Bau der neuen L9 im Juli des Vorjahrs begonnen worden war. Demnächst, genauer in der ersten oder zweiten Mai-Woche, soll die Umfahrung für den Verkehr freigegeben werden.

„Das ist doch kein Radweg. Ihr seid ein Wahnsinn, ihr gehört alle abgesetzt.“ Ein aufgebrachter Anrainer, nachdem klar war, dass es keinen reinen Radweg gibt.

Die erste Frage der Zuhörer – „Was passiert mit der alten L9?“ – war schnell beantwortet: Diese wird zu einer Gemeindestraße mit dem dazu passenden 50-km/h-Tempolimit. Ein Anrainer befürchtete, dass manche Lastwägen weiterhin auf der alten L9 fahren werden. Darauf Trost: „Das wird sich kein Lkw-Lenker freiwillig antun. Wenn es hier Probleme geben sollte, werden wir eben ein entsprechendes Fahrverbot verordnen.“

Bei der nächsten Frage wurde es schon emotional: „Wo ist eigentlich der von der Gemeinde versprochene asphaltierte Radweg?“ Ehrenreich zeigte auf einen am Plan markierten Wirtschaftsweg. „Was heißt Wirtschaftsweg? Wer darf dort aller fahren?“, wollte ein Zuhörer wissen. Antwort: „Jeder.“ Also auch Traktoren, Mähdrescher und Autos. Ein Aufschrei ging durch den Saal. „Das ist doch kein Radweg. Ihr seid ein Wahnsinn, ihr gehört alle abgesetzt“, rief einer aus dem Publikum.

Sofort wurde von den Gästen ein düsteres Bild gezeichnet: Kleinkinder auf Fahrrädern, die am „Radweg“ tonnenschweren Traktoren begegnen. „Jedes kleine Dorf hat mittlerweile einen richtigen Radweg, nur die Bezirkshauptstadt Gänserndorf schafft dies nicht“, warf einer der Anrainer ein.

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VP-Verkehrsstadtrat Manfred Trost (l.) und Jörg Ehrenreich von der NÖ Landesstraßenbau-Abteilung nach der hitzigen Diskussion.
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Trost versuchte, die aufgeheizte Stimmung wieder unter Kontrolle zu bringen: „Bleibt doch realistisch. Es werden dort nicht jeden Tag und zu jeder Jahreszeit 100 Traktoren fahren.“ Sollte es dennoch zu Problemen kommen, könne man immer noch nachjustieren, betonte der Stadtrat.

Ein weiterer Knackpunkt war die Auffahrt bzw. Querung der Umfahrung, wenn man mit dem Auto von der Siedlung kommt. „Wie soll ich auf die neue L9 einbiegen, wenn dort alle Fahrzeuge mit 100 km/h daherkommen? Das wird gefährlich“, prophezeite eine Anrainerin. Nachsatz: „Ihr werdet erst dann reagieren, wenn es Tote gibt.“ Trost beruhigte: „Das werden wir uns ansehen, wenn die Straße in Betrieb ist. Sollte es wirklich gefährlich sein, könnten wir ein 70-km/h-Limit verordnen.“ Der VP-Politiker glaubt aber nicht daran, dass so viele Fahrzeuge über die Umfahrung rollen werden, dass ein gefahrloses Einbiegen nicht möglich sein werde. „Wenn es die Marchfeld-Schnellstraße S8 gibt, werden hier 15.000 Autos am Tag fahren“, entgegnete ein Anrainer.

Trost erinnerte daran, dass jetzt weder über die S8 noch über die Planung der Umfahrung gesprochen werden könne, sondern nur über deren Fertigstellung. Daraufhin verließen einige Zuhörer mit den Worten „Wozu sind wir hergekommen?“ den Saal. Der Verkehrsstadtrat abschließend: „Ich kann aus Erfahrung sprechen – es wird alles besser und einfacher, als manche derzeit glauben.“

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