Latentes Problem: Schreiduell auf Grünstreifen. Nach wie vor halten sich zahlreiche private Hausbesitzer nicht an die Rechtslage und beschimpfen fremde Autolenker, wenn diese vor ihren Grundstücken parken.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 03. November 2016 (04:00)
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Alles verboten: Steine, Holzpflöcke, Sträucher und Mülltonnen haben auf öffentlichen Grünstreifen vor Einfamilienhäusern nichts verloren.
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Schon vor drei Jahren berichtete die NÖN über das „Grünstreifen-Problem“ in Gänserndorf-Süd. Bis heute hat sich nichts an der Situation geändert. Vergangene Woche kam es wieder einmal zu einem Schreiduell zwischen einem Grundstücksbesitzer und einer Autolenkerin. Letztere hatte es „gewagt“, ihr Fahrzeug vor einem fremden Gartenzaun abzustellen.

Die Frau (Name der Redaktion bekannt) wollte in der Watzekgasse ihr Enkelkind abholen und parkte den Pkw auf einem Grünstreifen (öffentliches Gut) vor einer privaten Liegenschaft. Sofort empörte sich deren Eigentümer. „Er beschimpfte mich auf das Ordinärste“, erinnert sich die Frau im NÖN-Gespräch.

Sie hat solche Situationen schon häufiger erlebt – sowohl in Gänserndorf als auch in Strasshof. „Manche Hausbesitzer glauben, dass das öffentliche Gut vor ihrem Grundstück ihnen gehört. Sie verbarrikadieren die Flächen oft auch mit Steinen, Pflöcken, Pflanzen oder Ähnlichem, damit dort ja niemand parken kann.“ Zum Beispiel in der Oed-Aigenstraße oder in der Grenzstraße.

VP-Verkehrsstadtrat Manfred Trost: „In Gänserndorf-Süd gibt es rund 1.800 Grundstücke. Wir können nur auf die Rechtslage hinweisen.“
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„Kann die Gemeinde da nicht eingreifen und klarstellen, dass diese Grünstreifen öffentliches Gut sind und die Betroffenen zur Rechenschaft ziehen, wenn sie die Parker belästigen?“, fragt sich die Autolenkerin. „Nein“, klärt VP-Verkehrsstadtrat Manfred Trost auf: „Wir können nur auf die Rechtslage hinweisen, aber niemanden zur Rechenschaft ziehen. Das ist nur über den Zivilrechtsweg möglich.“

Die Rechtslage ist aber eindeutig, betont Trost: „Öffentliches Gut, also auch die besagten Grünstreifen vor den privaten Liegenschaften, dürfen von allen benützt werden. Jeder darf dort parken, solange er nicht den Verkehr behindert.“ Kein Grundstücksbesitzer hat den Rechtsanspruch, dass nur er vor seinem Haus ein Fahrzeug abstellen darf.

Auf den öffentlichen Grünstreifen ist auch das Setzen von Steinen, Holzpflöcken, Sträuchern und Bäumen sowie das Abstellen von Mülltonnen – alles „geeignete“ Maßnahmen, die andere Verkehrsteilnehmer vom Parken abhalten sollen – verboten.

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