Schimpanse Holo für immer eingeschlafen

Schimpanse Holophernes aus dem Affen-Refugium des ehemaligen Safariparks in Gänserndorf-Süd starb nach 35 Jahren in Gefangenschaft.

Erstellt am 18. Dezember 2021 | 04:14
Lesezeit: 2 Min

Holophernes war ein Wildfang und musste elf Jahre seines Lebens – von 1986 bis 1997 – als Versuchstier für die Pharmaforschung herhalten. Seit 2009 stand Holo, wie in seine Pflegerinnen liebevoll nannten, unter dem Schutz von Gut Aiderbichl und lebte im Affen-Refugium des ehemaligen Safariparks in Gänserndorf-Süd.

„Holos Ausstrahlung war besonders und er wird unvergessen bleiben. Er war dominant, aber auch sehr verspielt und humorvoll“, erinnern sich die Pflegerinnen. Als Folge jahrelanger isolierter Haltung war Holo ein Grübler. Er fungierte als Chef seiner Männergruppe und war stets um dessen Wohl bemüht. So motivierte er die anderen Schimpansen zum Beispiel zur Körperpflege und zum Spielen.

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„Mit seiner besonderen Art schaffte es Holo, seine Kameraden zu stärken und ihnen Selbstbewusstsein zu geben“, berichten die Betreuerinnen. Für seine Freunde war er der Fels in der Brandung: „Er kannte alle seine Gruppenmitglieder in- und auswendig und konnte ihre Stimmungen fühlen. Zu seiner Strategie gehörten immer viel Humor, Spiele und Streicheleinheiten, aber auch Strenge, wenn diese notwendig schien.“

Das Freigehege war sein Paradies

Das Freigehege war sein Paradies. Viele Jahre lang konnte Holo als Versuchstier im Labor keine Sonne, keine Wolke und keinen Windhauch erleben. „Die Natur jetzt zu spüren, war seine persönliche Freiheit“, so die Pflegerinnen. Eine weitere Leidenschaft war das Klettern. Wenn man nach ihm Ausschau hielt, fand man ihn auf seinem Lieblingsplatz – auf der höchsten Stelle der Baumkonstruktion in der Freianlage: „Als sein Freund Jakob starb, litt Holo sehr. Er fraß weniger und zog sich auf diesen, seinen Aussichtsturm zurück.“

Affen können trauern, lieben und sogar flirten. Holos große Liebe war Gabi, die ebenfalls lange Zeit im Versuchskäfig verbracht hatte. Stundenlang wartete er auf einen Blick aus ihrer Richtung. Wenn sich ihre Augen trafen, war der Tag für ihn gerettet.

Nicht nur die Pflegerinnen trauern um Holo, sondern auch die Schimpansen im Refugium: „Sie hielten Totenwache und zeigten ihre Traurigkeit durch Umarmungen und besonders nahes Beisammensitzen im Wohnraum ihres Chefs.“ Auch in einem anderen Punkt sind sich die Betreuerinnen einig: „Holo ist nun bei seinem Freund Jakob im Affenhimmel.“