Überproduktion: Lebensmittel landen im Müll. Volle Regale vor Geschäftsschluss sorgen dafür, dass Lebensmittel weggeworfen werden müssen – oder an die Tafel gespendet werden.

Von Robert Knotz, Stefan Havranek und Ulla Kremsmayer. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:49)
Johanna Binder leitet die Tafel in Groß-Enzerdorf
Johanna Binder leitet die Tafel in Groß-Enzerdorf. Jeden Samstag rückt sie aus, um Lebensmittel für Bedürftige einzusammeln. Eine Station ist hier der Frischemarkt. Dort warten die Gemüsehändler bereits auf sie und spenden gerne eine Steige Salat oder Karotten. Ihnen würde es das Herz brechen, müssten sie das Gemüse wegwerfen.
Ulla Kremsmayer

Bis zu einer Tonne Lebensmittel werden pro Jahr in Österreich entsorgt. Jetzt gibt es eine Koordinierungsstelle unter der Leitung des Umweltministeriums, die gegen die Lebensmittelverschwendung vorgeht. Die NÖN hörte sich im Bezirk um, was mit überschüssigen Lebensmitteln geschieht.

Die „Team Österreich Tafel“ in Strasshof bekommt hauptsächlich Waren, die sich an der Grenze zum Ablaufdatum befinden. Es gebe aber auch spenden von Bauern und Bäckereien. „Meiner Meinung nach liegt das Problem nicht an der Verschwendung, sondern an der Überproduktion. Es wird viel zu viel produziert und es ist nicht notwendig, dass kurz vor Geschäftsschluss die Regale noch voll von Waren sind, die dann weggeschmissen werden müssen“, meint die Leiterin der „Team Österreich Tafel“ in Strasshof, Maria Schravogl.

Gemüsehändler geben gern Steigen ab

Johanna Binder hat viele Kunden bei der Groß-Enzersdorfer Tafel, „und leider, es werden immer mehr, die Unterstützung brauchen“, sagt die Leiterin der Tafel. Am Samstag ist sie stets auf der Jagd nach übrig gebliebenen Lebensmitteln in allen Supermärkten und auch am Frischemarkt. Gern gibt Gemüsehändler Errol ein paar Steigen ab: „Es soll nichts übrig bleiben und es tut gut zu helfen.“ Ähnlich sieht das Markus: „Es würde mir das Herz brechen, wenn ich den schönen Salat wegschmeißen müsste.“

Verein bestellt Acker mit Bio-Gemüse

Der Verein MUT (Mensch, Umwelt, Tier), der sich dem Lebensmittelretten und „FAIRteilen“ verschrieben hat, operiert zwar hauptsächlich in Wien, heuer startete aber das Pilotprojekt „stadt, land, mut“. Worum geht es dabei? Ein Acker in Obersiebenbrunn wird nun vom Verein bestellt. Dort wird bald Bio-Gemüse wachsen, das beim Gratis-Greißler des Vereins MUT an Bedürftige ausgegeben wird – denn frisches Bio-Gemüse ist dort ein rares Gut.

Seit März wird der 0,2 Hektar große Acker im Marchfeld bestellt. Der Ernteertrag soll hauptsächlich aus biologisch erwirtschafteten alten, nährstoffreichen Gemüsesorten und Kräutern bestehen. Zusätzlich wurde durch dieses Projekt für den Richard Simon Schweinzer aus der Region Marchfeld ein Arbeits- und Ausbildungsplatz geschaffen. Er kümmert sich darum, dass die heurige Ernte ein Erfolg wird. Der gebürtige Eckartsauer Gregor Ruelens ist Bereichsleiter der Lebensmittelrettung und -verteilung bei MUT, ihn kümmern alle Belange rund um den Gratis-Greißler in Wieden. „Also die Organisation von Abholungen, Sortierung, Lagerung und Weitergabe von Lebensmitteln“, erzählt Ruelens.

Übrigens: Der Verein sucht nach Unterstützern und sammelt über die Crowdfunding-Plattform Respekt.net Spenden für den guten Zweck. Wer sich beteiligen möchte, kann das soziale Projekt unter folgendem Link unterstützen:

www.respekt.net/de/projekte-unterstuetzen/details/projekt/2246/ .

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