Wer war Hans Kudlich?. Der Bauernbefreier, der in Gänserndorf die Gleise der neuen Kaiser-Ferdinand-Nordbahn blockierte.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 28. März 2019 (04:29)
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Kudlich: In Gänserndorf kämpfte er für die Bauernbefreiung.
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Seit dem Vorjahr erstrahlt die Hans-Kudlich-Gasse zwischen der Bahnstraße und der Eichamtstraße in neuem Glanz. Wer aber war Hans Kudlich und warum ist er gerade für die Bezirkshauptstadt eine so wichtige Persönlichkeit? Der Gänserndorfer Hobby-Historiker Hans Göttfert kennt die Details.

„Als 25-jähriger Student war Hans Kudlich, der Sohn eines untertänigen Landwirts, maßgeblich an der Bauernbefreiung im Jahr 1848 beteiligt. Der junge Abgeordnete forderte im Wiener Reichstag die Aufhebung der Untertänigkeit und des Robots für die Landwirte“, weiß Göttfert.

Und kurz danach kam Gänserndorf ins Spiel: Kudlich ließ, unterstützt durch die Gänserndorfer Bauern, die Gleise der neuen Kaiser-Ferdinand-Nordbahn genau am Ende der jetzigen Hans-Kudlich-Gasse in Gänserndorf blockieren. Dies sorgte für zusätzliche Aufregung, weil die Landwirte zwar Besitzer des von ihnen betreuten Bodens waren, jedoch nicht Eigentümer.

Das klingt auf den ersten Blick etwas verwirrend: Rechtlich wurde und wird aber zwischen Besitzer und Eigentümer unterschieden. Ein Besitzer ist derjenige, in dessen Einflussbereich sich die Sache befindet und der deshalb auf sie zugreifen kann. Besitz ist somit eine Tatsache, Eigentum dagegen ist das Recht an einer Sache. Ein Besitzer darf nicht alles mit einer Sache tun, außer der Eigentümer erlaubt ihm dies. Handelt es sich bei Besitzer und Eigentümer um dieselbe Person, erübrigt sich natürlich die Diskussion.

Kudlichs Antrag wurde zum Gesetz erhoben

Kudlichs Antrag vom Juli 1848 auf Aufhebung des grundherrlich-bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses wurde nach langen Beratungen schließlich am 7. September 1848 in etwas modifizierter Form zum Gesetz erhoben. Diese Initiative sicherte ihm den Ruf des „österreichischen Bauernbefreiers“ und leitete die größte Eigentumsverschiebung in Österreichs Geschichte ein.

Die Landwirte erwarben nun die von ihnen bewirtschafteten Felder und mussten dafür lediglich ein Drittel des Schätzwertes aufbringen. Der Staat und die vorherigen Grundeigentümer kamen für den Rest auf.

Während der Wiener Oktoberrevolution war Kudlich wieder aktiv tätig. Im März 1849 sollte er verhaftet werden, er floh zuerst nach Deutschland, zwei Monate später in die Schweiz, wo er 1853 sein Doktorexamen in der Medizin ablegte.

Wegen seiner Rolle während des Wiener Oktoberaufstands – er kämpfte für die Machterhaltung des Reichstags und versuchte vergeblich, die ober- und niederösterreichische Bauernschaft für ein bewaffnetes Eingreifen zu gewinnen – wurde er 1854 als Unruhestifter von den kaiserlichen Truppen verfolgt und zum Tode verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt lebte Kudlich allerdings schon in den USA, wo er als Arzt tätig war und 1917 im Alter von 94 Jahren verstarb.