Widerstand zwecklos? "Alte Synagoge wird abgerissen“. Stadtratsbeschluss besiegelt Abbruch des Hauses in der Bahnstraße 60.

Von Manuel Mattes. Update am 26. Juni 2018 (15:45)
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Die Gänserndorfer Grünen mit Unterstützern am Freitag vor dem Haus in der Bahnstraße 60, dessen geplanter Abriss derzeit die ÖVP und die Öko-Partei spaltet.
Mattes

Der Widerstand der Grünen sowie der Historikerin Ingrid Oberndorfer gegen den Abriss der ehemaligen Synagoge auf der Gänserndorfer Bahnstraße ( die NÖN berichtete ) scheint vorerst nichts an diesem zu ändern.

VP-Stadtchef René Lobner: „Es gibt dafür einen einstimmigen, gültigen Stadtratsbeschluss vom Jänner 2014 (vor Lobners Zeit als Bürgermeister, Anm.). Dieser wurde in der jüngsten Stadtratssitzung erneuert bzw. um ein Gebäude in der Eichamtstraße erweitert. Der Abbruch wird also erfolgen.“ Und: „Bereits im Sommer könnten die Bauarbeiten beginnen.“

VP-Stadtchef René Lobner: „Die Bauarbeiten könnten im Sommer beginnen.“
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Wie sieht Lobner die Kritik der Grünen, die vehement gegen den Abbruch des Gebäudes eintreten und am Freitag eine Kundgebung vor dem Haus auf der Bahnstraße 60 organisierten? „Diese Aufregung versteht in Gänserndorf kaum jemand. Ein altes, abbruchreifes Gebäude plötzlich mit dem Gedenkjahr und Antisemitismus in Verbindung zu bringen, disqualifiziert die Grünen von selbst.“

Und wie sieht es mit der in Putz eingeritzten Inschrift (Lichtl Peter, 10. 5. 1941) aus, die Historikerin Ingrid Oberndorfer auf dem Dachboden der ehemaligen Synagoge fand? Lobner: „Peter Lichtl war ein Gänserndorfer Dachdecker. Hier wurde ganz offenbar versucht, eine ,Anne-Frank-Story‘ zu inszenieren.“

Diesen Vorwurf wiederum lässt Oberndorfer nicht auf sich sitzen: „Das stimmt natürlich nicht. Als Geschichtswissenschaftlerin habe ich das natürlich zu überprüfen – und das werde ich auch.“

„Jetziger Vorgarten soll erhalten bleiben“

Wie wird der Bereich rund um die ehemalige Synagoge eigentlich künftig aussehen? „Der jetzige Vorgarten soll erhalten bleiben und neu gestaltet werden. Mir schwebt ein kleiner, aber feiner begrünter und blühender Mini-Park mit Sitzgelegenheit vor, wo auch die Gedenktafel für die ehemalige Synagoge Platz finden wird“, so Lobner.

Dahinter – in Richtung Eichamtstraße – könnte man die Dauerparkplätze (befestigter Boden samt Beleuchtung) errichten. Zu- und Abfahrt würden über die Eichamtstraße erfolgen. Die Wirtschaft, so der Stadtchef, würde sich über die zusätzlichen Parkplätze freuen.

Geschichtswissenschaftlerin Ingrid Oberndorfer: „Es handelt sich um jüdisches Kulturgut.“
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Zudem habe Lobner durch diese Maßnahme die Hoffnung, dass dann auf der Bahnstraße mehr Auto-Stellflächen für Kurzparker bzw. Kunden frei wären und so die innerstädtische Belebung weiter voranschreite.

Lobner abschließend: „Wir haben im Zuge der Stadtentwicklung und Verkehrsplanung mehrere Überlegungen angestellt, die etappenweise zur Umsetzung gebracht werden sollen. Der Abriss der Gebäude und die Errichtung des Mini-Parks und der Parkplätze sind in einer der ersten Umsetzungsetappen vorgesehen.“ Es würden auch weitere Entwicklungsoptionen des kompletten Areals mitbedacht.

Das Bundesdenkmalamt überprüft derzeit eine Unterschutzstellung der ehemaligen Synagoge in der Bahnstraße.