Bezirk Gänserndorf: Die Wirte sind in Aufbruchsstimmung. In Groß-Enzerdorf blicken die Wirte der bevorstehenden Öffnung freudig entgegen: Endlich werden die Gaststuben wieder gefüllt sein, jedenfalls soweit es die Abstandsregeln zulassen. Dennoch gibt es auch einige Bedenken, ob wirklich alle Gäste wiederkommen.

Von Ulla Kremsmayer. Update am 19. Mai 2021 (09:42)

Es gibt in Groß-Enzersdorf keinen einzigen Wirt, der nach dem dritten Lockdown ans Aufhören denkt. Die Schnitzelwirtin in Oberhausen steht zwar knapp vor der Pensionsgrenze und überlegt immer wieder, "ob ich  mir das alles noch antun soll", aber sie macht weiter. Die Wirtin bietet ihre Schnitzel im Standl vor dem Wirtshaus an. „Es geht sich aus, ich kann meine Unkosten decken, und mehr brauch ich nicht“, zeigt sie sich zufrieden. 

Andere Gastronomen sprühen nur so vor unbändiger Energie. Etwa Familie Ludl etwa, die mittlerweile in dritter Generation im Wirtshaus und Heurigen tätig ist, „freut sich natürlich schon riesig auf die Gäste“, sagt Hilde Ludl, die Mutter der Wirtshausfamilie. Sie ist auch froh darüber, dass nicht nur die Schanigärten geöffnet werden dürfen. „Was machst da bei Schlechtwetter?“, fragt sie sich, denn die Fixkosten blieben.

Sorge, dass Laufkundschaft ausbleiben wird

„Ich hoffe, sie kommen auch wieder alle, die Gäste“, sagt ihre Tochter Gabi Treitler-Nesyba, die mittlerweile Geschäftsführerin von Gasthof und Weinlaube ist. „Es freuen sich zwar schon viele Stammkunden auf uns, aber, ob es tatsächlich viele sein werden, ist schon noch die Frage.“ Von Friseuren habe sie nämlich oft die Klage gehört, dass der Umsatz trotz Öffnung eingebrochen sei. „Die Laufkundschaft wird eher ausblieben“, ist Altwirt Hubert Ludl (70) besorgt, weil man sich vor einen Wirtshausbesuch ja testen lassen müsse.  

Schwiegersohn Herbert Nesyba meint, dass in Groß-Enzersdorf so gut vorgesorgt werde, dass die meisten ohnehin schon getestet oder geimpft seien und damit auch jederzeit einkehren könnten, vor allem die Älteren, die vorher „sehr vorsichtig waren“. Hubert Ludl, zu Anfang Skeptiker der Regierungsmaßnahmen - er fürchtete im Vorjahr noch, dass die meisten Wirten eingehen würden - zeigt sich nun zufrieden: „Es hat ein bissel länger gedauert, aber wir haben doch einiges bekommen und nutzen auch die Kurzarbeit. Es hat letztlich alles gepasst.“

Alles neu bei Herbert Breinreich in Wittau

Herbert Breinreich, Wirt aus Wittau, ist ebenso zufrieden und ruft extra noch einmal bei der NÖN an, weil er etwas loswerden möchte: „Es war wirklich toll, wie die öffentliche Hand uns geholfen hat, die Krise zu überstehen, ich bin wirklich dankbar.“ 

Er hatte nämlich nicht nur die Corona-Krise zu bewältigen, sondern auch Krisen innerhalb der Familie und des Betriebs: Er hat seine „Golden Girls“ verloren, seine Tante (80) ist plötzlich verstorben, seine Mutter (78) nach einem Schlaganfall ins Pflegeheim übersiedelt. Beide standen noch rund um die Uhr im Wirtshaus und managten die Küche  und haben sie auch berühmt gemacht. 

Doch jetzt hat Breinreich Grund zur Aufbruchsstimmung: Walter Paulesits vom gleichnamigen Gasthaus in Mannsdorf hat dort die Pforten geschlossen und ist gemeinsam mit Kellner Walter Urbanovics und dem berühmten Mannsdorfer Karpfenrezepten nach Wittau gezogen. Und die drei freuen sich nun sehr aufs Aufsperren und den Vollbetrieb. 

"Trotzdem"-Wirtin kann endlich wieder hoffen

Auch wenn noch so manches unklar sein wird, wie etwa, wie Hochzeiten abgehalten werden können.  „Natürlich geht Hochzeit, nur kein Sektempfang davor“, wissen die Profis. Vieles sei dennoch unklar, wie etwa Abstände indoor oder die Reaktion der Gäste auf Kontrollen. Die Zweifel halten das Gastronomen-Trio aber nicht davon ab, die Wirtsstube und den Gastgarten herauszuputzen. „Und auch das Kulturprogramm starten wir schon am 17. Juni“, erzählt Breinreich stolz.

„Ja, jetzt kann man wieder hoffen!“, erzählt auch Susanne Savic vom „Trotzdem“ in Groß-Enzersdorf. Es werde sicher anstrengend, alle Gäste nach den Tests oder der Haushaltsgröße zu fragen. Aber:  „Ich hoffe einfach, dass es wieder Betrieb geben wird und die Gäste trotzdem kommen!“ Um den Betrieb anzukurbeln, hat Savic nun einen Schanigarten auf Trottoir und Grünstreifen beantragt. Auf die Genehmigung wartet die Wirtin noch.

Uferhaus öffnet und setzt auf Selbstbedienung

Im Uferhaus am Ende der Lobaustraße herrscht an sonnigen Sonntagen ohnedies reger Betrieb. Tische und Bänke sind zwar  abgesperrt, der „take-away"-Service ist gut besucht, es gibt Schnitzel und Würstel "und zur Not auch einen gut gefüllten Picknick-Korb für zwei", erzählt Rita Andrä, die Lebens- und Wirtsgefährtin von Uferhaus-Pächter Michael Eichler. Sie hat auch einen Lautsprecher in die Zweige vorm haus gehängt aus dem Loungemusik tönt: „ Ist das nicht chillig?“, strahlt sie freudig.

„Wir werden nach der Öffnung nur Selbstbedienung anbieten“, sagt indes der Wirt. „Am Tisch alles zu erfragen und zu prüfen, das würde zu lange dauern.“ Ob es am Schalter schneller gehen wird, werde sich zeigen. Die beiden Wirtsleute sind optimistisch. In der warmen Jahreszeit ist das Uferhaus stets ein Magnet für alle Städter, wie auch für die Wiener, die jetzt schon alle umliegenden Böschungen oder Liegestühle rund um die Sperrzone belagern.

Umfrage beendet

  • Gastro-Öffnung: Habt ihr bereits einen Besuch beim Wirt geplant?