Wirtshaus in Zistersdorf wird reanimiert. Die Renovierung wird 1,5 Mio. Euro kosten, im Herbst 2020 soll der Betrieb wieder starten.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 06. Juli 2019 (05:27)
Christoph Szeker
VP-Bürgermeister Helmut Doschek präsentiert mit dem Leiter der Buchhaltung Herbert Hofecker den Plan für die Renovierung des Gemeinde-Gasthauses im Zistersdorfer Stadtzentrum.

Nach 29 Jahren ging Peter Kammerer in den Ruhestand. Er war Wirt im örtlichen Gasthaus zum „Alten Rathaus“, das nun leer steht. Dem Wirtshaussterben soll es aber nicht zum Opfer fallen, denn der Gemeinderat beschloss, es zu renovieren. Kosten wird das insgesamt 1,5 Mio. Euro, aber Bürgermeister Helmut Doschek (ÖVP) geht davon aus, dass sich die Investition lohnen wird: „So gut ausgestattete Gasthäuser gibt’s fast nirgends“, ist er überzeugt.

Das alte Rathaus ist ein geschichtsträchtiges Gebäude und zudem ein denkmalgeschütztes. Unter ihm befindet sich ein großräumiges Kellergewölbe mit langen Gängen. Oben gibt es zwei Festsäle, welche gemeinsam 200 Personen Platz bieten. Untergebracht war dort – wie der Name schon sagt – einst das Rathaus, aber auch eine Außenstelle der Bezirkshauptmannschaft. Auch eine Handelsschule gab es vor vielen Jahren dort.

„So gut ausgestattete Gaststätten gibt’s fast nirgends.“ Helmut Doschek, VP-Bürgermeister

Die Zeit hat am Inventar natürlich ihre Spuren hinterlassen, aber der Charakter des Gebäudes ist nach wie vor erhalten. Es besticht schon von außen mit einer verzierten Fassade und dem Turmbau am Dach. Wirt Kammerer hat allerdings einen Trend erlebt: „Während die Gäste einst bis in die Früh Karten gespielt haben, haben die Jungen heute nicht die Zeit für lange Wirtshausbesuche“, erzählte er vor einigen Monaten. Die Gründe dafür seien etwa soziale Netzwerke oder die Tatsache, dass nur noch wenige Bürger einen Arbeitsplatz vor Ort haben.

Andererseits ist in der Region aber auch vage ein Trend zurück zu den Wirtshäusern erkennbar: In Neusiedl gründete etwa Herwig Hahn, Vater der Wirtin im Gemeinde-Gasthaus, einen Tarock-Verein. Dieser hat zwei Ziele: Interessierten das Kartenspiel vermitteln und die Jungen „vom Handy wegbringen“, wie es Hahn formulierte. An einem der Turniere nahmen an die 60 Besucher Teil, sie kamen dafür bis aus Obergänserndorf, für Hahn ein positives Zeichen. 88 Prozent der NÖN-Leser waren in einer Umfrage zudem überzeugt, dass Kartenspiele dazu beitragen, die Wirtshauskultur zu beleben.

"Geh ins Wirtshaus, dann erfährst was Neues"

Das renovierte Gemeinde-Gasthaus in Zistesdorf soll ebenfalls die Jugend ansprechen, denn im Obergeschoß wird es eine Lounge geben. Erste Konzepte, welche im Gemeinderat präsentiert wurden, überzeugen jedenfalls auch David Schramm von der SPÖ: „Das kostet Geld, aber es wird’s wert sein“, sagt er. Der zukünftige Pächter könne laut Konzepten von einem Jahresumsatz zwischen 600.000 und 700.000 Euro ausgehen. Planmäßig beginnen die Renovierungsarbeiten im September und im Herbst 2020 könnte das Gasthaus wieder die Pforten öffnen.

Ein großer Wunsch des Stadtchefs ist, dass das neue Gemeinde-Gasthaus wieder ein lebender Ort der Kommunikation wird. Denn hier können junge und alte Zistersdorfer aufeinandertreffen und sich persönlich austauschen. Doschek selbst erinnert sich noch an den Spruch „Geh ins Wirtshaus, dann erfährst was Neues“.