Schönkirchen und Reyersdorf: Fünf Jahrzehnte Eheleben. 1970 traten die Gemeinderäte von Schönkirchen und Reyersdorf zusammen, um über die Fusion der Kommunen abzustimmen. Zeitzeugen erinnern sich zurück.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 06. Juni 2021 (03:17)
Josef Koller, ÖVP-Bürgermeister Alexander Gary, Heribert Reckendorfer und Josef Koch bei der Durchsicht alter Protokolle und Fotos.
Mauritsch, Mauritsch

Heuer sind es 50 Jahre, dass die beiden Gemeinden Schönkirchen und Reyersdorf zu einer gemeinsamen Kommune wurden. Was war der Anlass für die Zusammenlegung, wie ist es damals abgelaufen und welche politischen Änderungen brachte die Fusion mit sich? Die NÖN sprach mit drei Zeitzeugen: Josef Koller, damals ÖVP-Gemeinderat in Schönkirchen, Heribert Reckendorfer, damals ÖVP-Gemeinderat in Reyersdorf, und Josef Koch, ÖVP-Gemeinderat nach dem Zusammenschluss.

Im Sommer 1970 traten die Gemeinderäte von Schönkirchen und Reyersdorf zusammen, um über die Fusion abzustimmen. Das Ergebnis war eindeutig: In beiden Ortsparlamenten fielen die Beschlüsse einstimmig. Anlass gebend war die „NÖ Strukturverbesserung“, eine Gebietsreform mit dem Ziel, die Anzahl der Gemeinden zu reduzieren. Mit 1. Jänner 1971 wurde die Zusammenlegung amtlich. 1.163 Einwohner hatten beiden Gemeinden damals zusammen. Heute sind es 1.975.

Gemeinsamkeiten gab es schon vorher. Der Gemeindesekretär arbeitete mal in einer, mal in der anderen Gemeinde, obwohl es zwei Gemeindeämter gab. In Reyersdorf war dies ein Gebäude unterhalb der Kirche. Im Obergeschoß residierte die Gemeinde, im Erdgeschoß die Feuerwehr. Da Haus steht nicht mehr, heute ist dort das Kriegerdenkmal. In den ersten Jahren nach der Fusion war der Gemeindesitz im Gemeindeamt Schönkirchen an der unteren Hauptstraße.

„Es gab keine Debatte über die Zusammenlegung, das war nur logisch“, berichten Koller und Reckendorfer. Viel mehr Diskussion gab es allerdings darüber, wo ein neues gemeinsamen Gemeindeamt stehen soll. „Es war ein Glück, dass der heutige zentrale Platz gefunden werden konnte“, erinnert sich Koch. 1978 war es dann so weit: Das neue Gemeindeamt ging in Betrieb.

Diskussionen um Standort der Schule

Das schon Jahre vor der Zusammenlegung gemeinsam umgesetzte Projekt des Neubaus der Volksschule war ebenfalls von ausgiebigen Standortdiskussionen begleitet. Schlussendlich einigte man sich auf das Gelände in der Schulstraße. Das heutige Haus ist ein allerdings ein weiterer Neubau am selben Standort, der 2004 eröffnet wurde. Die beiden Kindergärten fanden in dem gemeinsamen Haus neben der Volksschule ihren Platz. „Damit entstand ein neues Ortszentrum“, so Koch.

Politisch war Reyersdorf 1970 „schwarz“, mit Johann Prager als Bürgermeister, die ÖVP hielt acht Mandate, die SPÖ fünf. Wesentlich knapper die Mandatsverteilung in Schönkirchen – hier war die SPÖ mit acht Mandaten und Bürgermeister Heinrich Seymann tonangebend. Die ÖVP hielt bei sieben Mandaten. „Prager war schon sehr ein Reyersdorfer. Man sagt auch, dass Reyersdorf damals mehr Geld zur Verfügung hatte“, drückt es Reckendorfer, damals ÖVP-Parteiobmann, diplomatisch aus. Rivalitäten waren dann auch in der Bevölkerung zu spüren. Der heutige ÖVP-Ortschef Alexander Gary, der lange nach der Zusammenlegung geboren wurde, meint: „Heute ist die Gemeinde zusammengewachsen.“

Um einiges länger dauerte die Zusammenlegung der beiden Feuerwehren. Diese geschah erst 2010. Bei den durch den Fusionsbeschluss notwendig gewordenen Neuwahlen im November 1970 setzte sich Prager durch. Die ÖVP errang neun Mandate und lang nur ein Mandat vor der SPÖ, die acht Sitze innehatte. Zum Vizebürgermeister wurde Otto Knotzinger (ÖVP) gewählt, geschäftsführende Gemeinderäte waren Heinrich Seymann (SPÖ) sowie Martin Haferl und Hubert Weninger bei der ÖVP.

Auf große Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums musste Corona-bedingt verzichtet werden. Die Gemeinde nahm den Jahrestag allerdings zum Anlass, um eine Topothek einzurichten, in der den Bürgern alte Fotos zugänglich gemacht werden.