Gasexplosion in Dürnkrut: Polier (54) verurteilt

Erstellt am 24. November 2022 | 14:36
Lesezeit: 4 Min
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Im März explodierte ein Einfamilienhaus in Dürnkrut.
Foto: Feuerwehr
Eine bedingte Freiheitsstrafe und eine Geldstrafe fasste jener Mann aus, der es im März dieses Jahres verabsäumt hatte, die EVN über eine Beschädigung zu informieren. Diese tragische Verfehlung kostete eine Frau das Leben.
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"Es hätte nichts passieren müssen." So könnte das traurige Fazit nach einer Verhandlung am Landesgericht Korneuburg lauten. Inhaltlich ging es um die Gasexplosion am 13. März dieses Jahres in Dürnkrut. Bei Kanalbauarbeiten am 11. März beschädigte zunächst ein Baggerfahrer (47) ein Erdgasrohr, das nach der Begegnung mit dem Bagger augenscheinlich verbogen war. Kontrollen an dem in Mitleidenschaft gezogenen Rohr ließen keinen Gasaustritt an der Stelle vermuten.

Diese Vermutung stellte sich als falsch heraus. Am Sonntag steckte eine nichtsahnende Frau ihr Bügeleisen in die Steckdose. Der dabei entstandene Funken löste eine Explosion mit verheerenden Folgen aus. Das Haus der Frau wurde buchstäblich in die Luft gesprengt. Sie selbst wurde mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus eingeliefert und erlag ihren Verletzungen sechs Wochen später - am 27. April dieses Jahres.

Unglück wäre zu verhindern gewesen ... 

Angeklagt war der für diese Baustelle zuständige Polier (54). Die Vorwürfe lauteten auf grob fahrlässige Tötung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit. Der zweite Anklagepunkt bezog sich auf einen weiteren Anrainer (35), der damals in seiner Küche seinen Blutdruck messen wollte. Dazu kam es nicht mehr, weil plötzlich alles durch die Gegend flog: Fensterscheiben, Möbel, Inventar. Auch Schäden an der Mauer und an der Decke des Zimmers waren unmittelbar danach sichtbar. Wie durch ein Wunder erlitt der Mann keine schweren Verletzungen.

Das alles wäre zu verhindern gewesen, wenn der Polier am 11. März - wie in den Sicherheitsvorschriften vorgesehen - den Netzbetreiber über das Bagger-Missgeschick informiert hätte. Ein "Gasspürtrupp" hätte sich dann in Gang gesetzt und überprüft, ob tatsächlich kein Gas aus dem deformierten Rohr austritt. Zweimal habe er an dem Tag die Stelle kontrolliert und gerochen, ob Gas austritt. Das sei seiner Meinung nach nicht der Fall gewesen.

Riss im Verbindungsstück blieb unbemerkt

Damit hatte er auch recht. Aber drei Meter weiter entstand - noch unter der Erde liegend - ein Riss an einem Verbindungsstück. Das bedeutete, dass seit dem Mittag des Freitags bis zur Explosion am Sonntag unentwegt Gas im Erdreich versickerte und sich beim Haus der verstorbenen Frau bündelte. Das Gas riechen zu wollen, sei erstens zu wenig und zweitens eine laienhafte Art der Feststellung, wie Gutachter Gerhard Kiesselbach im Zeugenstand aussagte.

Zwar sei dem Erdgas ein "Odor", also ein Geruchsmittel, beigefügt, aber wenn das Gas in den Erdboden versickert, kann dies den Geruch neutralisieren. Der Polier gab sich in der Verhandlung vor Richterin Monika Zbiral überaus einsichtig: "Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ich die EVN verständigen hätte müssen." Für Staatsanwalt Lambert Schöfmann war durch die zweimalige Kontrolle des Rohres klar: "Sie haben in Betracht gezogen, dass was passieren könnte", womit er die Anklage wegen grober Fahrlässigkeit untermauert sah.

Bedingte Freiheitsstrafe und Geldstrafe für angeklagten Polier

Dem schloss sich die Richterin in ihrem Urteil an, wo sie einen anderen Umstand ebenso heranzog - nämlich den, dass es sich um ein Wochenende handelte, und so das Gas fast zwei Tage ausströmen konnte. Der bisher unbescholtene Mann wurde zu bedingten acht Monaten Freiheitsstrafe und zu einer unbedingten Geldstrafe in der Höhe von 5.400 Euro - entspricht im Äquivalent von drei Monaten Freiheitsstrafe - verurteilt. Sowohl der 54-Jährige als auch die Staatsanwaltschaft nahmen das Urteil an.

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