Giftfälle: Bezirk an zweiter Stelle. BEZIRK GÄNSERNDORF / Die gemeinen Anschläge auf Haus- und Wildtiere nehmen laut WWF stark zu. Bruck und Gänserndorf führen die Statistik an.

Von Erich Wessely. Erstellt am 04. März 2014 (23:59)
NOEN, Foto: Umweltgruppe Kriminalamt NÖ
Ein Mäusebussard, der durch einen mit Carbofuran präparierten Hasenköder getötet wurde. Die Giftköder sind vor allem im Winter auch für sehr seltene gefährdete Arten wie den Seeadler gefährlich, weil dieser Greifvogel im Winter bevorzugt Aas frisst. In den letzten Jahren hat man mit Carbofuran präparierte Tierläufe, Innereien, Fleischstücke, Knödel, geschossene Stockenten und sogar Hühnereier gefunden.

Bei den tödlichen Carbofuran-Anschlägen 2012/2013 führt der Bezirk Bruck (acht Fälle) die traurige Statistik vor dem Bezirk Gänserndorf (sieben Fälle) an. Im Bezirk hatte es 2012 zwei Seeadler (März) und zwei Hunde (September) erwischt, 2013 kamen mit zwei Kaiseradlern (Februar und Mai) und einem Rotmilan (April) noch einmal drei tödliche Carbofuran-Fälle hinzu.

Verkauf von Carbofuran seit 2008 europaweit verboten

Dabei stellen meist mit Gift präparierte Köder eine tödliche Falle für die Haus- und Wildtiere dar. Aber nicht nur geschützten Greifvögeln oder neugierigen Vierbeinern kann etwas passieren, sondern auch Kindern.
„Das Pflanzengift Carbofuran ist höchst toxisch und auch für Menschen sehr gefährlich“, erklärt Flora Hoser, Leiterin des WWF-Seeadlerprojekts, im NÖN-Gespräch. Dabei ist der Verkauf von Carbofuran seit 2008 europaweit verboten, es wird aber offenbar nach wie vor in großen Lagerbeständen gehortet und für Giftköder verwendet.

Die Vermutung liege laut der WWF-Biologin nahe, dass die schwer zu erwischenden Täter auch in der Jägerschaft zu finden sind: „Es deutet vieles darauf hin. Das haben dokumentierte Fälle in der Vergangenheit gezeigt.“ Dazu sagt Peter Lebersorger, Geschäftsführer des NÖ Landesjagdverbandes: „Die Jägerschaft verurteilt solche illegalen Handlungen auf das Schärfste und wird alles in ihrer Macht stehende tun, um Giftlegern das Handwerk zu legen – ganz egal, ob die Giftausleger innerhalb oder außerhalb der Jägerschaft angesiedelt sind.“

Bis zum Jahr 2011 die Giftfälle zurückgegangen

„Anhand unserer Datenbank, die wir seit dem Jahr 1999 führen, sehen wir, dass bis zum Jahr 2011 die Giftfälle zurückgegangen sind, seither steigen sie aber wieder stark an“, so WWF-Biologin Hoser.
Für den Seeadler, Österreichs Wappentier, stellt die illegale Vergiftung durch Carbofuran die größte Bedrohung dar. Der scheue Greifvogel lebt an Tieflandflüssen wie der Donau und der March. Hoser: „Wir sind zwar froh, dass wir zusammen mit anderen internationalen Organisationen die Ausrottung des Seeadlers verhindern konnten und sich die Population langsam erholt.

In Österreich gibt es aber trotzdem nur 16 Brutpaare, die mittels Hortbetreuung geschützt werden müssen. Ohne die Giftanschläge – alleine im Jahr 2002 sind vier Seeadler durch Carbofuran umgekommen – könnte die Erholung sicher rascher vor sich gehen.“
Der WWF ersucht Spaziergänger um besondere Vorsicht bei verdächtigen Substanzen am Wegrand, Verdachtsfälle sollen sofort bei der Gifthotline gemeldet werden.

Daten & Fakten


Giftfälle an Haus- und Wildtieren in Wien und Bezirken in NÖ aus dem Zeitraum 2012 und 2013:

Gänserndorf ..............................  7
Bruck an der Leitha ...................  8
Krems ........................................  1
Amstetten ..................................  1
Tulln ..........................................  1
Mistelbach ................................  3
Korneuburg ...............................  1
Wien ..........................................  2
Melk ..........................................  1
St. Pölten ...................................  1

Die WWF-Hotline, unter der Giftfälle gemeldet werden können: Tel.: 0676/444 66 12.