68 Brunnen unter Strom: Beispielgebendes Projekt. Durch die Elektrifizierung können 42 Landwirte ökonomisch und ökologisch effizienter arbeiten. Variable Kosten können so halbiert werden.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 07. September 2016 (15:58)
NOEN, Havranek
Raika-Direktor Josef Buchleitner, Hermann Weiß, Michael Mayer, Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes, Landwirtschaftskammer-Bezirksobmann Manfred Zörnpfenning, VP-Bürgermeister Georg Weichand und weitere Akteure, die an dem beispielgebenden Projekt beteiligt sind, vor einem der Trafos.

Weniger Energieaufwand, geringere Kosten, mehr Umweltfreundlichkeit und auch noch eine Reduktion des Lärms: Was die beiden Landwirte Michael Mayer aus Glinzendorf und Hermann Weiß aus Großhofen initiiert und schlussendlich auch umgesetzt haben, klingt nach dem sprichwörtlichen Ei des Kolumbus. Bis es aber soweit war, dass 68 Feldbrunnen mit Strom versorgt werden konnten, war es ein weiter Weg.

Dank Unterstützung von Landwirtschaftskammer, Land, Bund und Wien Energie konnten nun 68 Feldbrunnen elektrifiziert werden. Dafür mussten fünf neue Trafostationen errichtet und eine weitere adaptiert sowie die entsprechende Infrastruktur mit den Wiener Netzen geschaffen werden.

„Ökologische als auch ökonomische Vorteile“

„Dieses Projekt bringt sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile und zeigt, was man alles schaffen kann, wenn man gemeinsam an einem Ziel arbeitet“, freute sich Landwirtschaftskammer-Präsident und VP-Nationalrat Hermann Schultes: „Damit konnten wir im Marchfeld ein Projekt umsetzen, das beispielgebend ist.“

Besonders die attraktive Investitionsförderung für energieeinsparende Investitionen war schlussendlich entscheidend für den Startschuss des Projektes, wie die beiden Hauptakteure Weiß und Mayer zu berichten wissen: „Wir wollten eine möglichst hohe Teilnehmerrate erzielen, um die gewaltigen Fixkosten durch die Trafos und die 20kV-Leitungen auf möglichst viele Brunnen aufzuteilen.“

2,5 Millionen Euro wurden gesamt investiert, durch die Beteiligung von 42 landwirtschaftlichen Betrieben mit insgesamt 650 Hektar (laut Mayer und Weiß etwa 90 Prozent der infrage kommenden Bauern) konnten die Kosten auf ein wirtschaftlich akzeptables Niveau gebracht werden.

„Unser gemeinsames Ziel als Motivation“

Mayer über Weiß: „Ohne ihn würde es das Projekt nicht geben. Durch seine freundlich-zuvorkommende Hartnäckigkeit konnten viele Probleme beseitigt werden.“ Der gab das Kompliment zurück: „Wir haben uns gut ergänzt – und das gemeinsame Ziel hat uns motiviert, so mache Rückschläge und Herausforderungen zu meistern.“

Auch Kammer-Obmann Manfred Zörnpfenning (in seiner Heimat Aderklaa gab es schon 1981 ein ähnliches Pionierprojekt) freute sich über eine Erhöhung der Produktionsqualität, Umweltfreundlichkeit und Liefersicherheit sowie einen Schritt in Richtung Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern.

In 15 bis 20 Jahren soll sich die Investition rentieren – abhängig von der Entwicklung des Dieselpreises, der Niederschläge und anderer Faktoren. „Es war keine rein wirtschaftliche Entscheidung, aber allein 2015 hätten wir an die 100.000 Liter Diesel sparen können. Unsere variablen Kosten können wir auf die Hälfte senken“, so Weiß.